Es war wieder einmal eine schwere Geburt, diese „Einigung“. Bis 2030 sollen nun also die Treibhausgase der EU um mindestens 55% gesenkt werden (unter den Wert von 1990) Vorher in der Diskussion waren nur 40%. Dennoch: Eigentlich sollten die Werte um 60% gesenkt und zudem eine wesentlich schärfere Berechnungsmethode eingesetzt werden. Beides ist nicht erfolgt.

Aber wie wohl zu erwarten, wurde nicht nur um jeden Prozentpunkt gefeilscht, sondern wieder einmal „tief in die Trickkiste“ gegriffen. Denn die Kohlendioxidmengen, die in den Böden, den Pflanzen und den Wäldern gespeichert sollten mit einbezogen werden. Dann liegen die Einsparungen nach einigen Forschern aber im Ergebnis auch bei wohl nur noch rund 52,8%.

Und der Wert wäre sogar noch geringer, wenn man nicht darauf bestanden hätte, dass die Anrechnung auf bestimmte Werte „gedeckelt“ wurde. Die EU-Kommission soll nun durch eine aktive Aufforstung die sog. Bindekraft der Wälder auf 300 Mio Tonnen CO2 erhöhen, so dass dadurch dann doch der Wert von 55% zumindest im rechnerischen Ergebnis erreichbar sein soll.

Nun muss man sich natürlich die Frage stellen, ob diese Ziele überhaupt ausreichen u n d die Einigung sinnvoll ist. Immerhin bestimmt sie vieles und das über fast ein ganzes Jahrzehnt. Wahrscheinlich dem letzten, in dem weltweit überhaupt noch für die gesamte Menschheit ein Wechsel und ein erfolgreicher Kampf gegen den Klimawandel und das Artensterben möglich sein wird.

Zudem dürfte mit diesen Werten wohl das Erreichen der Ziele des Pariser Klimaabkommens tatsächlich nicht (mehr) möglich sein, und die Zahlen werde, selbst wenn sie erreicht werden sollten!, nicht ausreichen, um den Klimawandel zu stoppen. Wieder einmal wurde so lange mit den Zahlen jongliert, bis man ein Ergebnis hatte, das man der Öffentlichkeit schließlich als Erfolg präsentieren (verkaufen?) konnte. Erstaunlich, denn auch in der EU dürfte langsam hoffentlich jedem klar sein, dass man mit der Natur nicht verhandeln kann und uns jeder weitere Tag des Wartens am Ende noch sehr viel mehr kosten wird.

Dass sich die EU dadurch aber zudem schon vor dem „Virtuellen Klimagipfel“ des US-Präsidenten Biden in eine ökonomisch schlechtere weltweite Wettbewerbssituation mit den USA und China bringt, ist auch taktisch unklug. Die EU zeigt so aber auch, dass das Ergebnis, forciert allein durch die Wirtschaft, schlechter ist, als wir es im Kampf gegen den Klimawandel so dringend brauchen u n d außerdem nicht einmal die Interessen der Wirtschaft selbst wirklich berücksichtigt. Die EU will offenbar nicht den ökonomischen Anschluss an China und die USA verlieren, die nun den Klimaschutz, wenn auch wohl im Wesentlichen aus reinen eigenen ökonomischen Zielen, auf ihre Fahnen schreiben werden. Und doch genau das hat die EU nun leider erreicht, denn beide Nationen werden mit Sicherheit höhere Klimaziele festsetzen und damit die EU auch im ökonomischen Wettbewerb hinter sich lassen. Wir verlieren somit doppelt.

https://ec.europa.eu/clima/policies/strategies/2030_de