Mehr als ein Drittel der Gelder in der EU geht in die Landwirtschaft der Mitgliedsstaaten und damit stellt dieser Bereich noch immer den größten im gesamten Haushalt dar. Dass dies so bleibt, war gar nicht so klar, denn einige der Mitgliedsstaaten hatten sich in den letzten Jahren immer wieder für eine Reduzierung stark gemacht, während andere, allen voran Deutschland und Frankreich, dagegen waren. 

Nun geht es also bei den neuen Reformverhandlungen wieder einmal um die Neu-Verteilung der Gelder und das führt schon vor dem Beginn der Verhandlungen der 27 Agrarminister zu Differenzen. Aufgrund des deutschen Ratsvorsitzes in der EU, wird die deutsche Ministerin Klöckner diese Gespräche leiten. Kein guter Einstieg, ist die Ministerin doch bekannt dafür, dass sie den Plänen der EU-Kommission alles andere als positiv gegenübersteht.

Während die Kommission

  • einen stark erhöhten Anteil der Gelder an Umweltauflagen festmachen und
  • den Einsatz von Pestiziden halbieren
  • den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung reduzieren
  • und den Bio-Landbau auf 25% der Flächen erhöhen will,

ist die deutsche Ministerin nicht dieser Meinung, denn ihr geht das alles wohl zu weit.

Sie scheint sich im Wesentlichen nur für die (rein finanziellen) Wünsche der großen Agrarmultis zu interessieren und für die großen Verbände zu sprechen. Leider missachtet sie dabei zugleich sämtliche gegen ihre Meinung und für die Ansichten der Kommission sprechenden Fakten. Aber das war wohl leider zu erwarten, denn bislang wurden die Gelder ja bereits im Wesentlichen an der Größe der Betriebe ausgerichtet. Also alles ganz einfach: Je mehr Hektar man hat, desto mehr Fördergelder bekommt man. Die kleineren Familienbetriebe (und damit viele Bio-Betriebe) und die so ungemein wichtigen klein-bäuerlichen Strukturen verlieren dabei praktisch leider völlig.

So lang, bis die kleinen Betriebe nicht mehr mit den Großen mithalten können. Dann werden sie in aller Regel von einem der großen Betriebe aufgekauft und der negative Kreislauf beginnt von neuem. Die Preise für Agrarland steigen in vielen Teilen Deutschlands ins grenzenlose und die kleineren Betriebe haben schlichtweg nicht (mehr) genug Kapital, um selbst was dazu zu kaufen. Die Folge dann meist auch hier: Verkaufen…

Und wie die Flächen bewirtschaftet werden, ist für die Fördermittel der EU nahezu egal, denn einzig die Größe zählt. Mehr und größer…Was eine Fortsetzung dieses schwachen und umwelttechnisch schlechten Systems für die Umwelt und die Artenvielfalt bedeutet, kann sicherlich jeder leicht nachvollziehen.

Das allein wäre grundsätzlich schon eine schlechte Nachricht. In der aktuellen Situation der Umwelt, dem Fortschreitens des Klimawandels und des immer schneller werdenden Artensterbens, ist es jedoch eine ganz klare und weitere Bankrotterklärung.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die anderen Agrarminister von den fachlich ohnehin nicht zu belegenden Ansichten von Frau Klöckner nicht beeindrucken lassen.

Selbst wenn alle Fakten in immer stärkerem Ausmaße klar dagegensprechen, scheinen allein die wirtschaftlichen Interessen weiterhin vorzugehen. Erschreckend. Beängstigend. Dumm!

PS: Der heute ebenfalls veröffentlichte Bericht der Umweltagentur EEA, siehe nächste News, gibt weitere Beweise dafür, dass hier Reformen dringender denn je notwendig sind.