Neue UTP Richtlinie vorgelegt

Neue UTP Richtlinie vorgelegt

Die Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner hat heute dem Kabinett die geplante Gesetzesänderung zum Schutz vor unlauteren Handelspraktiken zur weiteren Beratung vorgelegt. Die rechtliche Grundlage dazu findet sich in der im letzten Jahr erlassenen europäischen UTP-Richtlinie, die nun bis spätestens zum Jahr 2021 von allen Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden muss.

Ob dies dann aber wirklich die gewünschten positiven Auswirkungen auf die Landwirte*innen haben wird, ist zumindest mit dem aktuellen Entwurf mehr als fraglich.

Der Grund dafür ist einfach:

Es besteht die naheliegende Gefahr, dass die verarbeitenden Betriebe in der Regel den Großteil des mit dem Gesetz verbundenen neuen und leider nicht unerheblichen Preisdrucks wahrscheinlich direkt an die Landwirte*innen weitergeben.

Verstärkt wird diese Gefahr durch eine leider auch in diesem Bereich schon seit längerem zu beobachtenden gefährlichen Konzentration der Marktmacht auf nur wenige Unternehmen. So sind es mittlerweile nur 4 Handelsketten, die ca. 85% des Marktes unter sich aufteilen. Das schwächste Glied dieser Kette ist wieder einmal die Landwirtschaft selbst. Wie in vielen anderen Bereichen, ist somit der primäre Erzeuger der Leistungen und/oder der Produkte der, der am wenigsten von allen monetären Entwicklungen profitiert, aber unter den ganzen nachteiligen Bedingungen zu leiden hat.

Die Idee gerade die Erzeuger und die daran anschließenden Lieferanten vor einem unzulässigen Gebaren der Einzelhändler zu schützen, ist natürlich begrüßenswert. So sieht der Entwurf insbesondere vor, dass die Erzeuger/Lieferanten vor der unsäglichen Praxis einer immer mehr „verspäteten“ Zahlungen der Produkte von mehr als 30 Tagen (Stichwort: Zwischenfinanzierung auf Kosten anderer), zu kurzfristigen Auftragsstornierungen und die Rücksendung von nichtverkaufter Waren geschützt werden sollen. Die Folge liegt auf der Hand: Praktisch der größte Teil des grundsätzlich bei dem Einzelhändler liegenden Risikos wird wieder auf die Erzeuger/Lieferanten abgewälzt.

Der Gesetzesentwurf geht zudem in seinem derzeitigen Entwurf praktisch an der Realität vorbei, denn wenn Landwirte*innen wenig bis gar nicht (selbst) an den Einzelhandel liefern, droht der eigentlich gutgemeinte Effekt praktisch zu verpuffen. Zudem dürften Bußgelder von bis zu 500.000 EUR die großen und extrem finanzstarken Handelsriesen keine wirklich unkalkulierbaren Risiken darstellen.

Es stellt sich auch die Frage, wer es sich wirklich im Rahmen einer Gesamtabwägung leisten will oder kann, hier einen anderen anzuzeigen. Hier könnte eine Lösung darin liegen, dass solche Mitteilungen/Anzeigen anonym bei einer zentralen Anlaufstelle abgegeben werden könnten. Aber eine solche Vorgehensweise birgt wiederum die einem solchen System immanenten und nicht wegzuleugnende (Missbrauchs-) Risiken.

Ein Weg zu einer unbedingt erforderlichen Stärkung der Erzeuger liegt weiterhin in einem Ausbau und der Konzentration auf ihrer eigenen Seite, z.B. durch Kooperationen oder Organisationen. Nur so können sich die Mächte im Markt wieder etwas in eine andere, ausgeglichene Richtung verändern und damit die damit verbundenen Kräfte, und damit der Einfluss, neu verteilt werden.

Ziel muss ein fairer Umgang aller Beteiligten schon ab der Erzeugung sein. Keine Lösung ist sicherlich eine Regelung am Ende der Wertschöpfungskette, die nur wieder versucht, die Auswirkungen eines schon lange nicht mehr guten Systems zu lindern, anstatt die Ursachen zu ändern.

Es bleibt daher zu hoffen, dass die Ergebnisse der hoffentlich kontroversen Debatten im Bundestag hier noch Einfluss auf den Entwurf nehmen können.

Anerkennung und Wertschätzung

Anerkennung und Wertschätzung

Nach den Ergebnissen der Umfrage der Bitkom-Research (s.o.), beklagten 88% der befragten Personen eine zu geringe Wertschätzung der Verbraucher der landwirtschaftlichen Arbeit. Eine alarmierende Zahl, denn jeder von uns weiß, wie wichtig die Wertschätzung der eigenen Arbeit gerade heute ist.

Immer wieder werden schnell harte Fronten definiert und der Landwirt und die Landwirtin als der Grund für viele Probleme ausgemacht.

Hierzu sind die Ergebnisse einer weiteren Frage der Bitkom-Research Umfrage interessant:

97% gaben an, dass sie auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz in ihren Betrieben achten.

77% sehen den Klimawandel als eine große Bedrohung für die Landwirtschaft an.

62% sagen, dass sie als Landwirte/innen eine große Verantwortung beim Kampf gegen den Klimawandel tragen.

51% gaben an, dass sie aufgrund des Klimawandels etwas an ihrer Produktion ändern wollen.

(Quelle: Bitkom Research 2020, https://www.bitkom-research.de/system/files/document/200427_PK_Digitalisierung_der_Landwirtschaft.pdf

Ist es unter Berücksichtigung dieser Zahlen und der Tatsache, dass alle Landwirte/innen uns alle auch in der Coronakrise mit höchstem personlichen und finanziellen Einsatz mit Lebensmittel versorgt haben, nicht auch gerecht, wenn 98% der Landwirte/innen angaben, dass sie, wenn sie die Landwirtschaft ändern sollen, höhere Preise bräuchten?

Ich denke nicht.

Alle landwirtschaftlichen Betriebe, egal ob Bio oder nicht, haben in den letzten Jahren gezeigt, dass sie trotz der zunehmenden Komplexität, den steigenden gesetzlichen Anforderungen, der nicht selten daraus resultierenden zusätzlichen Bürokratie und dem großen Mehraufwand bereit waren und sind, sich der Digitalen Transformation zu stellen.

Und ich bin mir sicher, dass wir viel mehr gemeinsam stemmen könnten, wenn die Gesellschaft dies endlich anerkennen würde, denn eines muss jedem klar sein: Die Landwirte/innen haben nicht nur mit diesen steigenden Anforderungen zu kämpfen, sondern mit in einigen Teilen Deutschland nahezu lächerlich hohen und weiter steigenden Bodenpreisen (durch Spekulanten und Investoren bedingt!) und dadurch fehlenden Nutzboden für die Landwirtschaft, sinkenden Preise für ihre Erzeugnisse und ständig zunehmenden Dürreperioden.

Aus vielen persönlichen Gespräche ist mir etwas deutlich geworden. Obwohl die Landwirte/innen auch in Coronazeiten (allein das Beispiel der Saisonarbeiter soll hier stellvertretend erwähnt werden) weiter unter erschwerten Bedingungen unsere Nahrung sichergestellt haben, wurden ihre Leistungen nicht anerkannt und erst recht nicht wertgeschätzt. Die meisten Landwirte/innen hatten noch nie einen 40 Stundenwoche oder einen 8-Stundentag, dennoch haben sie, wie viele andere Berufsgruppen auch, ihren gerade in der Pandemie so wichtigen Beitrag für die ganze Gesellschaft erbracht und ein Mehrfaches an Arbeitszeit und -kraft erbracht.

Vielleicht sollten wir alle mal wieder einfach Danke sagen!

Ich jedenfalls bedanke mich bei den Landwirten/innen für ihre tolle Arbeit und ihre Bereitschaft, sich trotz der ständigen zunehmenden Anforderungen und schlechten Entwicklungen täglich dafür zu kämpfen, dass unsere Nahrung weiter sicher ist.

Wir alle müssen unserer Wertschätzung für die Landwirtschaft aber auch in unserem täglichen Verhalten deutlich machen und wieder mehr regional, saisonal und am besten direkt bei den Erzeugern/innen einkaufen. So können wir nicht nur endlich eine in diesen Bereichen schon längst notwendige Wende einleiten, sondern unsere Landwirte/innen unterstützen und nicht multinationale Konzerne, bei denen schon der Joghurt mehr Flugkilometer hinter sich gebracht hat, als viele Menschen in ihrem ganzen Leben. Und wenn wir einfach wieder nur das Obst und das Gemüse essen, das der Jahreszeit entspricht, unseren Fleischkonsum hinterfragen und wieder echte Lebensmittel bei unseren Landwirten/innen in der Nähe kaufen, dann, ja dann, wird es für diese und für uns ganz sicher eine bessere Zukunft geben.

Es ist beim Bedanken, wie meistens, eigentlich ganz einfach:

Ich sage daher hier an dieser Stelle einmal ganz deutlich an alle Landwirtinnen und Landwirte:

Danke! Danke! Danke!

Wichtige Ergebnisse der Umfrage vom Bund ökologischer Lebensmittelwirtschaft

Wichtige Ergebnisse der Umfrage vom Bund ökologischer Lebensmittelwirtschaft

Die neuesten Zahlen machen in der ökologischen Lebensmittelwirtschaft zahlreiche Veränderungen zum positiven deutlich. Sie zeigen aber auch auf, wo die Branche noch Nachholbedarf und Optimierungschancen hat.

Hier die Ergebnisse im Einzelnen:

In ganz Deutschland werden 1.622.103 Hektar Land ökologisch bewirtschaftet

2019 lag der Bio-Umsatz bei 11,9 Milliarden EUR und damit um knapp 10% über dem des Vorjahrs

Bio-Produkte machen nur rund 5,5% des gesamten Lebensmittelumsatzes aus. Zum Vergleich: In Dänemark liegt der Anteil bei 11,5% und in Schwede bei 9,6%

Jede(r) Deutsche gab im letzten Jahr 132,00 EUR für ökologisch produzierte Lebensmittel aus, während die Schweizer/innen im gleichen Zeitraum für 312,00 EUR einkauften. Der deutsche Markt ist zwar aufgrund seiner Größe (und der Anzahl der Einwohner/innen) absolut gesehen der größte, der Pro Kopf Einkauf ist aber noch sehr steigerungsfähig.

QUELLE:https://www.boelw.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Zahlen_und_Fakten/Brosch%C3%BCre_2019/BOELW_Zahlen_Daten_Fakten_2019_web.pdf

11.07.2020 – Warum ist die Digitalisierung gerade in der Bio-Branche so wichtig und zugleich schwierig und gefährlich?

11.07.2020 – Warum ist die Digitalisierung gerade in der Bio-Branche so wichtig und zugleich schwierig und gefährlich?

Eine Digitalisierung in Teilen der Bio-Betriebe ist eine sehr sinnvolle und notwendige Maßnahme für mehr Umwelt- und Naturschutz, gegen den Klimawandel und gegen das Artensterben, für die Bio-Diversität und letztendlich auch für das wirtschaftliche Überleben vieler Bio-Betriebe. Aber sie ist kein natürlicher Prozess, sondern einer, der allein durch das Handeln der Bio-Betriebe selbst in den jeweiligen Strukturen, Prozessen und Zeiträumen umgesetzt werden kann.

Sie darf zudem keinesfalls zu einer sicherlich noch schlimmeren und nicht mehr rückgängig machbaren neuen Industrialisierung der Landwirtschaft führen.

Eine fortschreitende Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette darf zudem nicht zu weiteren, neuen und starken Abhängigkeitsstrukturen führen und muss immer ein Recht beinhalten, weiterhin immer einen Zugang zu den eigenen Maschinen, den eigenen Daten und dem eigenen Wissen zu haben und damit auch einen gewissen Zugriff auf die Software/Anwendungen. Verlieren die Höfe praktisch die Möglichkeit eines „rights to repair“ durch eine Entziehung des Zugriffs auf die Daten, ist ein drohender Untergang und der Verlust tausender Kleinbetriebe nur eine Frage der Zeit.

Themen, wie die längst notwendige Wende in der Agrarwirtschaft hin zu mehr agrarökologischen Prozessen und Strukturen und dem richtigen und wichtigen Weg zu einer neuen und echten Ernährungssouveränität dürfen nicht übersehen werden.

Eine Digitalisierung bietet den Bio-Betrieben grundsätzlich eine große Chance dringende, notwendige und zum Teil für uns alle sogar überlebenswichtige Verbesserungen und Veränderungen durchzuführen. Da sie zudem mittel- und sicher langfristig erhebliche ökologische Vorteile mit sich bringen kann, ist es gerade für die Bio-Betriebe schon lange keine Frage des „ob“, sondern nur noch die des „wann“ sie damit beginnen, die sinnvollen und positiven Einsatzmöglichkeiten umzusetzen. Nicht zuletzt aus dem Grund heraus, damit die bäuerlichen Strukturen und die Bio-Höfe in deren Existenz zu sichern und schließlich ein weiteres Aussterben oder die zunehmenden Übernahmen vieler kleinerer und mittlerer Höfe durch die Agrarmultis zu verhindern.

Die digitalen Technologien können nicht nur die unmittelbaren ökologischen Vorteile bringen, sondern zudem ein enorm wichtiger Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel und das Artensterben mit all den katastrophalen Folgen für die gesamte Menschheit sein.

Angst vor der Komplexität und den einzuhaltenden gesetzlichen und technischen Anforderungen muss kein Bio-Betrieb haben, wenn er bereit ist, sich offen und mit Interesse damit zu beschäftigen und dennoch seine gesunde Kritikfähigkeit zu bewahren. Weder ein nicht hinterfragtes, blindes Hinterherrennen, noch eine aggressive und nicht von echtem Wissen und Erfahrungen begründete Anti-Haltung gegenüber allen möglichen digitalen Werkzeugen, ist der richtige Weg. Wie so oft im Leben, ist es der Mittelweg, der sehr häufig die beste Lösung darstellt.

Neue Abhängigkeiten

Auf eine Sache müssen sich alle Bio-Betriebe einstellen:

Es drohen völlig neue Abhängigkeitsstrukturen von nicht vorstellbarem Ausmaße. Wer mitbekommen hat, wie sich die Saatgutherstellung entwickelt hat, wer weiß, dass fast 70% des weltweiten Saatgutes von nur 4 Großkonzernen stammen und nicht zuletzt dadurch wohl fast 75% der biologischen Saatgut- und Pflanzenvielfalt verschwunden ist, kann sich vorstellen, was mit den nun durch die Digitalisierung der Landwirtschaft entstehenden neuen Daten und neuen Abhängigkeitsstrukturen entstehen kann.

Was passiert, wenn in 10 oder 15 Jahren die 4 oder 5 größten Konzerne im Bereich der Saatgutherstellung dann auch noch die Mehrheit an Daten und Verträge mit den meisten der Landworte/innen haben werden, muss kein Pessimist sein, um sich vorstellen zu können, was dann der weltweiten Landwirtschaft passieren kann. Schauen Sie sich einfach die damals so gar nicht geplante Verbreitung der Computer und der Betriebssysteme, vor allem Microsoft, an, oder die unvorstellbare Marktmacht der Datenkonzerne wie Facebook, Instagram und Co. und Sie wissen, dass wir hier von keinen fiktiven und sehr wohl bereits tatsächlich bestehenden Abhängigkeiten sprechen.

Software PLUS Daten = maximale Abhängigkeit!

Auf dem möglichst schnellen Weg zu einer echten nachhaltigen und ökologischen, bäuerlich geprägten Landwirtschaft, die saisonal und regional denkt und handelt und die die so unglaublich wichtigen bäuerlichen Erfahrungen und das bäuerliche Wissen ganzer Generationen für die nächsten bewahrt, kann die Digitalisierung eine phantastische Chance sein. Das alles aber nur, wenn die daran beteiligten Menschen diese in allen Bereichen offen und kritisch hinterfragen und die Ergebnisse ausschließlich zum Nutzen der Natur, der Natur, der Umwelt, der Pflanzen- und Tierwelt und der Menschen einsetzen. Das ist möglich, aber keiner darf den Aufwand, die Anforderungen, das Maß an Bereitschaft und die drohenden Risiken unterschätzen oder gar bewusst darüber hinwegsehen, egal aus welchem Grund heraus.

Und so lautet mein Wunsch und meine Empfehlung an alle Bio-Betriebe:

Lassen Sie uns kritisch bleiben und alle gemeinsam die Welt zum positiven ändern!

Wir können und werden das schaffen!

Jetzt!

Sofort!