Digitalisierung ist nur ein Werkzeug!  Teil 1

Digitalisierung ist nur ein Werkzeug! Teil 1

Immer wieder werde ich gefragt, ob die Digitalisierung in der Bio-Branche und insbesondere der Bio-Vieh- und Landwirtschaft sinnvoll und erforderlich ist.

Nun, ich könnte die juristische Standardantwort geben: „Kommt darauf an!“ und mich damit irgendwie aus der persönlich Verantwortung ziehen. Das möchte ich aber nicht. Im Gegenteil.

Schon die Frage wird den eigentlichen Problemen nicht gerecht, denn eines muss uns klar sein: Wir reden hier von einem höchst komplexen und komplizierten Bereich, in dem aktuell lediglich und vorrangig unglaublich viel Nicht-Wissen auf gigantische wirtschaftliche Wachstumschancen in einigen Branchen zu treffen scheint.

Ich möchte in einer hier nun gestarteten neuen Reihe von Beiträgen zu diesem Thema versuchen, Ihnen in einem immer weiter fortgesetzten Teilen die wichtigsten Punkte aus technischer, ökonomischer aber insbesondere ökologischer, gesellschaftlicher und sozialer Sicht und deren jeweiligen rechtliche Bewertungen (inkl. entsprechender Risikoanalysen) aufzeigen.

Ein wichtiger Grund für diese Form der Herangehensweise ist der, dass heute bereits die Dynamik in diesem, und in allen damit unmittelbar oder mittelbar in Verbindung stehenden weiteren Bereichen, extrem hoch ist. Ein Textbeitrag, der alle Fragen, Probleme und Risiken aufzeigt, erörtert und beantwortet, ist daher bereits dem Grunde nach unmöglich und nicht nur wegen des unglaublichen Umfangs praktisch wertlos.

Wichtig ist, dass heute immer mehr und schneller zu beachtende neue Informationen, technische Entwicklungen, gesetzliche Vorgaben, Urteile auf nationaler und europäischer Ebene oder auch zahlreiche Innovationen auftreten und daher selbst ein fortlaufender Blog wie dieser schneller als erwartet schon wieder „überholt“ sein kann. Aus diesem Grund habe ich übrigens mein e-book nicht mehr aktualisiert, denn bei z.B. nur etwas mehr als 1-2 Monaten Bearbeitungszeit, konnte ich eigentlich in vielen Bereichen schon wieder von vorne beginnen.   

Also, lassen Sie uns beginnen. Und eines gleich mal klar und deutlich gesagt:

Es gibt bereits keine „Digitalisierung“ als solche und sie kann selbst gar keine Lösung oder auch nur einen halbwegs klaren oder nachvollziehbaren Weg darstellen. Sie war und ist nur ein „Werkzeug“, bei dem aber man nicht einmal weiß, um welches es sich eigentlich handelt. Und schon gar, wie man es einsetzen kann, soll und muss.

Oder noch einfacher ausgedrückt:

Wer eine Digitalisierung als die Lösung von Problemen angibt, hat nichts, aber auch gar nichts verstanden. Oder er kommt aus der Wirtschaft und verdient mit einer solchen Empfehlung sein Geld.  

Dieses ganze Gerede von der großen „disruptiven Revolution“, der „Änderung der Welt in allen Bereichen“, ist so erst einmal nicht mehr als reines Marketinggeschwätz! Nahezu völlig sinnlos und gefährlich dazu.

Ja, die Digitalisierung wird voranschreiten, was sie übrigens schon seit Jahrzehnten macht, ohne dass nun alle auf diesen „hippen Zug“ aufspringen. Und ja, es kann einige wenige (!) Bereiche und Einsatzgebiete geben, in der eine Digitalisierung einzelner Prozesse, Verfahren (-schritte), Strukturen oder Teilen davon wirklich Sinn machen kann (aber ggf. nicht einmal muss!) oder sogar unbedingt notwendig ist.

Wen aber nicht einmal weiß, welches Werkzeug er in welcher Ausführung hat oder braucht, wer nicht weiß, ob er einen Nagel in die Wand hauen oder eine Mutter lösen muss, sollte sich vielleicht erst einmal fragen was er WIRKLICH braucht (und ich werde zeigen, dass allein diese Frage schwerer zu beantworten ist, als das viele glauben wollen).

Er muss sich fragen, was er tatsächlich umsetzen und erreichen will. Er muss offen zu sich sein, und sich zudem fragen, welche Vor-, Nachteile und Risiken das für ihn, die Gesellschaft, die Menschheit oder die Umwelt mit sich bringen kann, ob der Kosten-Nutzen-Faktor für diese alle wirklich positiv ausfällt usw. Und dann, aber erst dann, kann er zu überlegen beginnen, welches Werkzeug er wirklich braucht, wann, wo, wie lange und ob es ein digitales sein soll oder muss… Das sind viele, sehr viele Fragen.

Und seien wir ehrlich und belügen uns nicht noch weiter:

Wenn man die gesamten ökologischen und sozialen Aspekte mit berücksichtigt, die Chancen und Risiken wirklich vollumfänglich aufzeigt, wird es für die Bio-Branche und Bio-, Land-, Forst- und Viehwirtschaft schwierig oder sogar existenziell gefährdend.

Die Zukunft der Menschheit hängt ganz sicher nicht von einer wie auch immer gearteten Digitalisierung ab. In einigen sehr wenigen Bereichen kann eine Unterstützung durch einzelne sehr genaue, kritisch durchdachte und ehrlich und offen geprüfte unterstützenden Digitalisierungsmaßnahmen besser gestaltet werden. Nicht mehr und nicht weniger. In anderen ist eine Digitalisierung vielleicht aber das größte Risiko und muss daher unterbleiben.

Die Biobranche und insbesondere die Bio-, Land-, Forst- und Viehwirtschaft hat eine große Verantwortung für die beiden größten Probleme der Menschheit:

Das Artensterben und den Klimawandel.

Und ja, in einigen wenigen Bereichen können uns vielleicht digitale Unterstützungsmaßnahmen bei diesem Kampf helfen.

Aber eher sanft statt disruptiv, eher sehr bedacht und immer mit einem sehr kritischen und genauen Blick auf die ganzen notwendigen nachhaltigen, maßvollen, menschlichen und ökologischen Teilbeiträge.

Nur dann können diese zu einer echten positiven Unterstützung der unglaublich komplexen Lösungen der beiden wichtigsten und größten Aufgaben der Menschheit etwas beitragen.

Mehr jedoch ganz sicher nicht.

Scheitern wir daran, scheitert die Menschheit.

Teil 2 folgt in wenigen Tagen