Ein Eisberg, größer als Mallorca, ist in der Antarktis vom Eis abgebrochen – oder warum unserer Nachrichten immer seltsamer werden.

Ein Eisberg, größer als Mallorca, ist in der Antarktis vom Eis abgebrochen – oder warum unserer Nachrichten immer seltsamer werden.

Am 20.05 ging es durch alle Onlinemedien: Ein Eisberg mit dem Namen A-76, größer als die spanische Urlaubsinsel Mallorca, hatte sich vom Eis gelöst und treibt nun durch das Weddel-Meer in der Antarktis.

Nun, dass in der Medienlandschaft am Anfang das Bild steht, und nicht mehr das Wort oder gar der Inhalt, ist ja nicht neu. Es verwundert daher nicht, dass das Satellitenbild dieses abgetrennten Eisgiganten allgegenwärtig war. Wird dessen unvorstellbare Größe dann zudem noch im dazugehörigen Text „bildlich“ durch einen Vergleich mit der Größe der Lieblingsinsel der Deutschen weiter „verständlicher“ gemacht, hat man als Autor*in schon gewonnen.

Schade nur, dass die meisten Menschen zwar diesen Teil der Nachricht wahrnehmen und kennen, bei der Frage der Hintergründe aber wahrscheinlich eher passen müssen. Versuchen Sie es selbst und fragen einfach ein paar Freude oder Freundinnen, was sie von dieser Meldung (noch) alles wissen.

Die eigentlichen und wirklich wichtigen Kernaussagen werden kaum beachtet, sind aber von großer Bedeutung: Der extreme Anstieg der weltweiten Temperaturen, besonders auch an den beiden Polen.

In der Arktis z.B. ist dieser offenbar sogar noch schneller vorangeschritten, als es die Wissenschaft befürchtet hatte. Neben den z.B. immer mehr freiwerdenden (und bislang im Eis gebundenen) Schadstoffen in den beiden Eisregionen und dem Ansteigen des Meeresspiegels und der der Flüsse hat ein kleiner werden der Eisflächen weitreichende und viele verschiede Folgen, so z.B., dass u.a. wesentlich weniger Sonnenstrahlung reflektiert wird, was zu einer weiteren Erwärmung führt, die ihrerseits zu einem weiteren Abschmelzen der Eisflächen führt…usw. usw…

Übrigens steigt der Meeresspiegel allein schon wegen der Erhöhung der Temperaturen an. Dieser Effekt wird dann aber durch das schmelzende Eis noch verstärkt.

Schade, dass unsere Medienlandschaft bei Inhalten, die sehr wichtig sind für alle Menschen, mit denselben Werkzeugen arbeitet wie bei einfachen und doch eher wertlosen Boulevardthemen. Die hier bei der Vielzahl der Leser*innen wahrscheinlich im Gedächtnis bleibende Erinnerung ist allein die des eiskalten Mallorca-Pendants, das nun langsam durch die Meere treibt und in vielen Jahren sich wahrscheinlich im wahrsten Sinne aufgelöst haben wird.

Und die Folge? Nun, es geht ja irgendwie auch um… Mallorca…Genau!

Nicht wenige werden sich also noch mehr auf ihren bald „endlich wieder möglichen“ Urlaub auf der Insel freuen. Am besten, man bucht direkt einen Flug…egal, wie viel Eis allein durch diesen einen Hin- und Rückflug zusätzlich vernichtet wird…aber das will gerade ja ohnehin keiner hören, insbesondere nicht, wenn doch die Kanzlerkandidatin der Grünen gerade, und schon sind wir im nächsten Bild, sogar die Billigflüge nach…klar „Mallorca“ offen kritisiert hat…

Aber was wollte ich eigentlich noch mal sagen?…

Immer mehr Todeszonen in den Weltmeeren

Immer mehr Todeszonen in den Weltmeeren

Die Vereinten Nationen haben in New York im Rahmen ihres zweiten „World Ocean Assessment“ neue Zahlen veröffentlicht, die mehr als nur besorgniserregend sind.

Die Zahl der sogenannten „Todeszonen“ in den Weltmeeren ist allein in der Zeit von 2008 bis 2019 von rund 400 auf fast 700 gestiegen. Unter einer Todeszone versteht die Wissenschaft sauerstoffarme Unterwassergebiete, in denen kaum noch Leben möglich ist. Eine der Hauptursachen sind Algenblüten, die nach dem Absterben auf den Meeresgrund sinken und dort von Bakterien abgebaut werden, die dafür aber Sauerstoff verbrauchen. Je mehr Algen also erzeugt werden, desto mehr Sauerstoff wird dem Wasser entzogen.

In vielen Bereichen dieser Todeszonen sind gerade in tieferen Regionen dadurch Bereiche entstanden, in denen es zum Teil sogar keinen Sauerstoff mehr gibt. Durch die u.a. auch durch die Landwirtschaft bei der Düngung der Felder erzeugten und dann über die Gewässersysteme in die Meere gelangen Nährstoffe (u.a. Phosphor und Stickstoff), wird das Algenwachstum aber immer mehr gefördert. Ein Teufelskreislauf. Hier steht insbesondere die industrielle Land- und Viehwirtschaft im Fokus und in der Verantwortung.

Betroffen sind hier im Übrigen besonders der Golf von Mexiko, das Südchinesische Meer und auch die Nord- und Ostsee.

Noch wichtig bei den Ergebnissen ist die Tatsache, dass die UN zudem eine klare Tendenz zu einer weiteren und fortlaufenden Verschlechterung sehen. Und diese ist offenbar wirklich extrem, denn die Wissenschaft sieht allein in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts eine Verdoppelung des allein durch den Menschen verursachten Stickstoffeintrags an den Küsten voraus. Verstärkt wird diese Entwicklung durch den – ebenfalls allein durch den Menschen verursachten – Anstiegs der Wassertemperaturen.

UN-Generalsekretär Guterres übertreibt daher wohl leider nicht, wenn er seinerseits in diesem Kontext auf die enorme Wichtigkeit und die Bedeutung der Weltmeere für den Klimawandel hinweist, denn diese stellen u.a. einen der größten CO2 Speicher dar.

Die Probleme in diesen sehr komplexen Schadstoff- und Risiko-Systemen der weltweiten Ökosysteme verschärfen sich, wie leider immer, gleich mehrfach gegenseitig, so hier z.B. durch die Zerstörung der Küstenregionen und den Anstieg des Meeresspiegels.

Ein weiterer Beweis dafür, dass der allein durch die Menschen verursachte und zu verantwortende Klimawandel in allen Ökosystemen deutlich, unmissverständlich und zweifelsfrei zu erkennen ist.

Ohne Ausnahme in allen weltweit und immer mit katastrophalen Prognosen für unsere Zukunft.

Mehr Infos:

https://www.un.org/regularprocess/woa2launch

https://ioc.unesco.org/our-work/first-world-ocean-assessment

https://www.un.org/regularprocess/content/first-world-ocean-assessment