Digitalisierung ist nur ein Werkzeug!  Teil 1

Digitalisierung ist nur ein Werkzeug! Teil 1

Immer wieder werde ich gefragt, ob die Digitalisierung in der Bio-Branche und insbesondere der Bio-Vieh- und Landwirtschaft sinnvoll und erforderlich ist.

Nun, ich könnte die juristische Standardantwort geben: „Kommt darauf an!“ und mich damit irgendwie aus der persönlichen Verantwortung ziehen. Das möchte ich aber nicht. Im Gegenteil.

Schon die Frage wird den eigentlichen Problemen nicht gerecht, denn eines muss uns klar sein: Wir reden hier von einem höchst komplexen und komplizierten Bereich, in dem aktuell lediglich und vorrangig unglaublich viel Nicht-Wissen auf gigantische wirtschaftliche Wachstumschancen in einigen Branchen zu treffen scheint.

Ich möchte in einer hier nun gestarteten neuen Reihe von Beiträgen zu diesem Thema versuchen, Ihnen in immer weiter fortgesetzten Teilen die wichtigsten Punkte aus technischer, ökonomischer aber insbesondere ökologischer, gesellschaftlicher und sozialer Sicht und deren jeweiligen rechtliche Bewertungen (inkl. entsprechender Risikoanalysen) aufzeigen.

Ein wichtiger Grund für diese Form der Herangehensweise ist der, dass heute bereits die Dynamik in diesem, und in allen damit unmittelbar oder mittelbar in Verbindung stehenden weiteren Bereichen, extrem hoch ist. Ein Textbeitrag, der alle Fragen, Probleme und Risiken aufzeigt, erörtert und beantwortet, ist daher bereits dem Grunde nach unmöglich und nicht nur wegen des unglaublichen Umfangs praktisch wertlos.

Wichtig ist, dass heute immer mehr und schneller zu beachtende neue Informationen, technische Entwicklungen, gesetzliche Vorgaben, Urteile auf nationaler und europäischer Ebene oder auch zahlreiche Innovationen auftreten und daher selbst ein fortlaufender Blog wie dieser schneller als erwartet schon wieder „überholt“ sein kann. Aus diesem Grund habe ich übrigens mein e-book nicht mehr aktualisiert, denn bei z.B. nur etwas mehr als 1-2 Monaten Bearbeitungszeit, konnte ich eigentlich in vielen Bereichen schon wieder von vorne beginnen.   

Also, lassen Sie uns beginnen. Und eines gleich mal klar und deutlich gesagt:

Es gibt bereits keine „Digitalisierung“ als solche und sie kann selbst gar keine Lösung oder auch nur einen halbwegs klaren oder nachvollziehbaren Weg darstellen. Sie war und ist nur ein „Werkzeug“, bei dem aber man nicht einmal weiß, um welches es sich eigentlich handelt. Und schon gar, wie man es einsetzen kann, soll und muss.

Oder noch einfacher ausgedrückt:

Wer eine Digitalisierung als die Lösung von Problemen angibt, hat nichts, aber auch gar nichts verstanden. Oder er kommt aus der Wirtschaft und verdient mit einer solchen Empfehlung sein Geld.  

Dieses ganze Gerede von der großen „disruptiven Revolution“, der „Änderung der Welt in allen Bereichen“, ist so erst einmal nicht mehr als reines Marketinggeschwätz! Nahezu völlig sinnlos und gefährlich dazu.

Ja, die Digitalisierung wird voranschreiten, was sie übrigens schon seit Jahrzehnten macht, ohne dass nun alle auf diesen „hippen Zug“ aufspringen. Und ja, es kann einige wenige (!) Bereiche und Einsatzgebiete geben, in der eine spezifizierte Digitalisierung einzelner Prozesse, Verfahren (-schritte), Strukturen oder Teilen wirklich Sinn machen kann (aber ggf. nicht einmal muss!) oder sogar unbedingt notwendig ist.

Wer aber nicht einmal weiß, welches Werkzeug er in welcher Ausführung hat oder braucht, wer nicht weiß, ob er einen Nagel in die Wand hauen oder eine Mutter lösen muss, sollte sich vielleicht erst einmal fragen was er WIRKLICH braucht (und ich werde zeigen, dass allein diese Frage schwerer zu beantworten ist, als das viele glauben wollen).

Er muss sich fragen, was er tatsächlich umsetzen und erreichen will. Er muss offen zu sich sein, und sich zudem fragen, welche Vor-, Nachteile und Risiken das für ihn, die Gesellschaft, die Menschheit und die Umwelt mit sich bringen kann und ob der Kosten-Nutzen-Faktor für diese alle wirklich positiv ausfällt usw. Und dann, aber erst dann, kann er zu überlegen beginnen, welches Werkzeug er wirklich braucht, wann, wo, wie lange und ob es ein digitales sein soll oder muss… Das sind viele, sehr viele Fragen, warum wohl auch klar sein wird, dass es keine EINE Antwort gibt. Und die Antwort „Digitalisierung“ ist ganz sicher keine…

Und seien wir ehrlich und belügen uns nicht noch weiter:

Wenn man die gesamten ökologischen und sozialen Aspekte mit berücksichtigt, die Chancen und Risiken wirklich vollumfänglich aufzeigt, wird es für die Bio-Branche und die Bio-, Land-, Forst- und Viehwirtschaft schwierig oder sogar existenziell gefährdend.

Die Zukunft der Menschheit hängt ganz sicher nicht von einer wie auch immer gearteten Digitalisierung ab. In einigen sehr wenigen Bereichen kann eine Unterstützung durch einzelne sehr genaue, kritisch durchdachte und ehrlich und offen geprüfte unterstützenden Digitalisierungsmaßnahmen besser gestaltet werden. Nicht mehr und nicht weniger. In anderen ist eine Digitalisierung vielleicht aber das größte Risiko und muss dort daher unbedingt unterbleiben.

Die Biobranche und insbesondere die Bio-, Land-, Forst- und Viehwirtschaft hat eine große Verantwortung für die beiden aktuell größten Probleme der Menschheit:

Das Artensterben und den Klimawandel.

Und ja, in einigen wenigen Bereichen können uns vielleicht digitale Unterstützungsmaßnahmen bei diesem Kampf helfen.

Aber eher sanft statt disruptiv, eher sehr bedacht und immer mit einem sehr kritischen und genauen Blick auf die ganzen notwendigen nachhaltigen, maßvollen, menschlichen und ökologischen Teilbeiträge.

Nur dann können diese zu einer echten positiven Unterstützung der unglaublich komplexen Lösungen der beiden wichtigsten und größten Aufgaben der Menschheit etwas beitragen.

Mehr jedoch ganz sicher nicht.

Scheitern wir daran, scheitert die Menschheit.

Teil 2 folgt in wenigen Tagen

Lange/Santarius: Smarte grüne Welt?

Lange/Santarius: Smarte grüne Welt?

Das 2018 erschienene und u.a. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Buch stellt einen großartigen Einstieg in die Frage dar, ob eine „Smarte grüne Welt“ wirklich das Ziel und die einzige Lösung darstellt.  Welche Probleme müssen dabei unbedingt mit berücksichtigt und bedacht werden? Ja, es geht auch um viele weitergehende Fragen, so u.a. darum, wie eine Digitalisierung unser individuelles Konsumverhalten und das Thema der Nachhaltigkeit beeinflusst und welche Gefahren z.B. aufgrund der immer größer werdenden Datenmengen und einer ggf. drohenden Überwachung zu bedenken sind. Werden zudem wirklich alle Menschen von einer Digitalisierung profitieren und wird die Gefahr der Bildung einiger neuer Machtmonopole nicht sogar steigen? Welche Auswirkungen, insbesondere ökologische und soziale, haben die neuen digitalen Prozesse und Strukturen auf unser gesamtes Leben und auf unsere Umwelt und die Natur? Und wird es nicht die ganzen bestehenden Ungleichheiten in vielen Bereichen weltweit eher noch verschärfen?

Die beiden Autoren, der promovierte Volkswirt Steffen Lange und der Professor für Sozial-Ökologische Transformation und Nachhaltige Digitalisierung an der TU Berlin, Tilman Santarius, sind ausgewiesene Experten auf dem Gebiet und schaffen es problemlos auch komplexere wissenschaftliche Zusammenhänge leicht verständlich und sehr gut lesbar darzustellen. Das größte Lob kann man dem Autorenteam dafür aussprechen, dass sie es schaffen, bei der gerade überall gepuschten Digitalisierung niemals den so unheimlich wichtigen kritischen Blick zu verlieren. Sie räumen u.a. gleich mit mehreren der Digitalisierung zu Unrecht „unterstellten“ positiven Auswirkungen auf und begründen dies in immer nachvollziehbarere Art und Weise, unterstützt durch eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien und deren Ergebnisse. Gerade die diesem Themenbereich anhaftende große Komplexität ist es, die bei diesem möglichen Weg eine Neugestaltung nahezu jedes Bereichs unseres Lebens die größten Risiken häufig nicht mehr sichtbar werden lässt.

Das Buch macht deutlich, was auch jeder Bio-Betrieb wissen sollte: Die Digitalisierung ist nur ein Instrument, nicht mehr und nicht weniger. Es kann, richtig eingesetzt, positive Auswirkungen haben. Es kann aber auch große Risiken erzeugen und Betriebe in eine deren Existenz bedrohende Abhängigkeit führen.

Kritik?

Ja, der Bereich des Themas Datenschutz hätte meiner Ansicht nach etwas ausführlicher ausgestaltet werden können. Diese Kürze ist an einigen anderen Stellen auch so zu finden und ist bei genauer Betrachtung sogar ein Pluspunkt, denn wenn die Autoren hier jeweils mehr geschrieben hätten, was sie aufgrund ihrer Expertise ohne Zweifel hätte tun können, wäre das Buch nicht nur rund 200, sondern sicherlich mehr als 400 Seiten stark geworden und das hätte dazu geführt, dass vielleicht einige Leser*innen das Werk nicht so gerne kaufen würden. Wir alle kennen das: Je mehr Seiten, je mehr Details, desto mehr kann der große Umfang dann sogar abschreckend wirken. Zudem sind die Themenschwerpunkte perfekt gewählt und für die Leser*innen, die sich weiter und tiefer in die Materie einlesen wollen, gibt es ein umfangreiches Literaturverzeichnis und eine Liste mit wirklich sehr guten weiterführenden Anmerkungen/Verweisen.

Fazit:

Ein sehr gutes und sehr wichtiges Buch mit hervorragend ausgewählten Inhaltsschwerpunkten, trotz oder gerade wegen der zum Teil eher kürzeren Einzeldarstellung. Unbedingt empfehlenswert!

Steffen Lange, Tilman Santarius, „Smarte Grüne Welt?“, oekom verlag München, 2018, 15,00 EUR (D)

Siehe auch: https://www.oekom.de/buch/smarte-gruene-welt-9783962380205

Angabe der Öko-Codenummer bei Warenangebot im Online-Handel

Angabe der Öko-Codenummer bei Warenangebot im Online-Handel

Wenn man Waren im Online-Handle anbietet und dabei auf deren biologische /ökologische Erzeugung hinweist, muss auch die Öko-Codenummer nach der Öko-Basis-Verordnung angegeben werden und zwar vor Abschluss des Kaufvertrags, gut lesbar und an gut sichtbarerer Stelle.

Die gleichen Vorgaben ergeben sich bei bereits vorverpackten Lebensmittel aus der Lebensmittelinformationsverordnung. Wichtig dabei ist, dass bereits das Werben damit die Vorgaben festlegt und nicht deren Erzeugung.

Werden diese Vorgaben nicht eingehalten, drohen den Anbietern u.a. Abmahnungen und ggf. zeit- und kostenintensive gerichtliche Auseinandersetzungen.

Achtung:

Nach dem aktuellen Stand tritt am 01.01.2022 die neue EU-Öko-Verordnung in Kraft, s.u.  Sie wird schon heute als das „Grundgesetz“ der Bio-Branche angesehen. ABER: Bis dahin gilt weiterhin die aktuelle EU-Öko-Verordnung (VO 834/2207) s.u.

EU Öko-Basisverordnung:

Alt:

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:02007R0834-20130701&from=EN

Neu (ab 01.01.2022):

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32018R0848&from=HR

Weitere gute Infos zu dem Thema:

https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/oekologischer-landbau/eg-oeko-verordnung-folgerecht.html

https://www.boelw.de/themen/eu-oeko-verordnung/neues-biorecht/

https://www.oekolandbau.de/verarbeitung/bio-zertifizierung/rechtliche-grundlagen/die-neue-bioverordnung-aenderungen-fuer-verarbeiter/

Gehören für mich die SoLaWis, RVL und CSA mit dazu?

Gehören für mich die SoLaWis, RVL und CSA mit dazu?

Ich habe mehrere Anfragen erhalten, ob ich denn auch SoLaWis, regionalen Vertragslandwirtschaften (RVL) und Community Supported Agriculture (CSA) im Bereich der Digitalisierung betreuen würde, da ich ja meist über Bio-Höfe und Bio-Betriebe spreche. Meine klare Antwort: Aber natürlich!

Gerade diese besonderen Formen einer nicht-industriellen und marktunabhängigen Landwirtschaft müssen aufgrund ihrer zum Teil sehr spezifischen rechtlichen Strukturen ein paar zusätzliche Vorgaben bei der Digitalisierung beachten. Diese erwachsen meist aus diesen selbst unmittelbar aber auch mittelbar, z.B. aus deren Zielsetzungen. So kann z.B. das Vorliegen einer genossenschaftlichen Grundstruktur zu weiteren Aufgaben führen, wenn es um die Bereiche Datensicherheit, Datenschutz und IT-Sicherheit geht. Zudem ergeben sich u.U. zusätzliche Probleme durch die verschiedenen Personen, die z.B. auf Daten zugreifen könn(t)en.

Neben den besonderen Anforderungen an eine Digitalisierung, erwachsen u.a. aus den Bereichen Umweltschutz, Ressourcenschutz, Nachhaltigkeit und den Grundsätze und Umsetzungsformen einer sozial-ökologischen Wirtschaft, spezielle Anforderungen an die rechtlichen Vorgaben eines Datenschutzes, sowie u.a. dem so ungemein wichtigen „Eigentum an den Daten“. 

Schließlich hat die „Beteiligung“ von Privatpersonen an diesen besonderen Wirtschaftsformen mittelbare und unmittelbare Auswirkungen auf die Digitalisierung der einzelnen und meist doch unterschiedlichen Betriebe, die nicht unterschätzt werden sollten. Das gilt insbesondere dann, wenn die diese in verschiedenen Rechtsformen, Ausgestaltungen und Zielsetzungen betrieben, und damit ggf. unterschiedliche Verfahren und Prozesse benötigt werden.

Es ist daher dringend erforderlich, bei der strategischen Ausrichtung diese Punkte mit einzubeziehen.

Klimakommissar Timmermanns will die Agrarreform so nicht akzeptieren

Klimakommissar Timmermanns will die Agrarreform so nicht akzeptieren

In meinem Beitrag vom 26.10.2020 hatte ich meine große persönliche Enttäuschung zu der von Landwirtschaftsministerin Klöckner als „Meilenstein“ bezeichneten Agrarreform geäußert und stand und stehe damit natürlich nicht alleine da. So haben z.B. nahezu alle Umweltorganisationen und -verbände laut ihren Unmut geäußert. Und dabei es doch noch viel schlimmer, als es zunächst den Eindruck macht.

Denn die angebliche Reform ist nicht nur negativ für den unbedingt notwendigen Kampf gegen das Artensterben und den Klimawandel, sondern sie wird in hohem Maße durch ihre Inhalte die Landwirte/innen unmittelbar weiter erheblich schwächen, denn die bereits heute klar erkennbaren Auswirkungen allein des Klimawandels treffen schließlich jeden einzelnen von Jahr zu Jahr wirtschaftlich immer härter. Und diese Entwicklung wird sich weiter verschlechtern und durch das fortschreitende Artensterben noch einmal verschärft.

Geradezu absurd ist jedoch, dass nicht nur die so groß angekündigten „Green Deal Ziele“ der EU nicht erreicht wurden, sondern durch die Beibehaltung der alten Voraussetzungen einer Ausschüttung der Fördergelder, weiterhin ausgerichtet (fast) nur an der Größe der Betriebe, die Zerstörung kleinerer und mittlerer landwirtschaftlicher Betriebe extrem zunehmen wird. Zudem wird sich diese negative Entwicklung mit immer größerer Geschwindigkeit fortsetzen, denn:

Bereits heute erhalten nur 20% der Landwirte/innen 80% der Fördergelder. Somit ist sehr leicht vorhersehbar, wann auf der einen Seite eine marktbeherrschende Situation eintreten wird, in der dann sicher sogar weniger als 10-20% der Großbetriebe weit mehr als 90% der landwirtschaftlichen Böden besitzen wird. Was das bedeutet, ist wohl jedem klar.

Klar ist auch, dass die Auswirkungen des Klimawandels die finanziell am härtesten treffen, die kleinere Betriebe haben. Und jetzt wird es geradezu abenteuerlich, denn jedes weitere Dürrejahr schwächt gerade und mit viel größeren Auswirkungen ebenfalls nur die kleineren Betriebe. Diese werden dann schon bald aufgeben müssen. Die Folge? Sie müssen ihr Land verkaufen. An wen? An die wenigen Großbetriebe… Diese werden dann also schon bald noch größer…und erhalten dann, dank der neuen „Reform“, noch mehr Geld von der EU. Die Abwärtsspirale dreht sich somit immer schneller.

Und wenn erst nahezu alle „Kleinen“ gekauft sind, werden die großen sich dann geschickt rechtlich „zusammenschließen“ oder sich untereinander „schlucken“. Dann haben wir auch hier schon bald wieder nur eine Handvoll international strukturierter Großkonzerne, die nicht nur bestimmen was wir wann und zu welchem Preis essen werden, sondern denen nicht nur theoretisch quasi das „Land“ gehört. In Zusammenhang mit den Saatgutmonopolisten und den schon bald drohenden (landwirtschaftlichen) Datenmonopolisten sind diese Konzerne dann ein gelebter Alptraum. Dagegen ist Orwells 1984 nur eine nette Geschichte.

Die angebliche „Reform“ der Agrarminister ist ein weiterer großer Sargnagel in dem Kampf gegen das Artensterben und den Klimawandel. Aber sie ist zudem das Todesurteil für die so wichtigen kleinbäuerlichen Strukturen und mittelbar auch das Aus für nachhaltige und ökologische Landwirtschaft.

Es bleibt zu hoffen, dass sich Timmermanns durchsetzt und diesem Versuch eines Greenwashings verhindern, kann, denn selbst, wenn wir den Klimawandel und das Artensterben noch stoppen können, wird die gesamte Landwirtschaft (und die Böden!) dann bereits in ein paar Jahren zu einer weiteren reinen Spekulationsware werden, ganz in der Hand von ausschließlich nach Profit strebenden internationalen Konzernen, Fonds oder ähnlichen Strukturen. Und diese allein bestimmen dann, wie unsere Ernährung aussehen wird. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass bei diesen Überlegungen die Umwelt, die Natur oder die ökologische Nachhaltigkeit eine Rolle spielen wird. Eher im Gegenteil.

Ihr wahres Gesicht zeigte Frau Klöckner übrigens bei Ihrer digital zugespielten Rede vor dem Deutschen Bauernverband, als sie dort sagte:

„Das sind Visionen, die die Kommission ausgegeben hat. Die zum Teil, ich versuche es freundlich auszudrücken, etwas über dem Acker schweben und zum Teil nicht sehr viel mit der Realität auf dem Acker zu tun haben.“

Es bleibt zu fragen, ob ihre Realität veielleicht einfach eine andere ist. Wie gut, dass wir Menschen wie Frau Klöckner haben, die den „Green Deal“ der gesamten EU einfach mal als reine „Vision“ bezeichnet und die nicht viel mit der Realität zu tun habe, und die sich dann auch noch rühmt, dass sie uns ihre großen Einsichten sogar extra noch „freundlich“ mitgeteilt hat. Wir können also wohl von Glück reden, dass sie uns ihre Erkenntnisse nicht in aller Härte mitgeteilt hat, denn dann wäre ihr Urteil zum Green Deal sicherlich sogar noch negativer ausgefallen.

Wenn diese unhaltbare und katastrophale Agrarreform in der vorliegenden Form Bestand hat, werden wir alle verlieren. Entweder unmittelbar durch das Fortschreiten des Artensterbens und dem Klimawandel oder, wenn wir diesen Kampf gewinnen, mittelbar durch den Verlust der landwirtschaftlichen Böden, der kleinen und mittelgroßen bäuerlichen Betriebe/Strukturen und der gesamten ökologisch-nachhaltigen Bestrebungen der EU aus dem geplanten Green Deal.

Das ist die Realität.

So wichtig ist strategisches Vorgehen bei der Digitalen Transformation

So wichtig ist strategisches Vorgehen bei der Digitalen Transformation

Die Digitalisierung der Bio-Betriebe setzt neben den eigenen unmittelbaren landwirtschaftlichen, insbesondere technische, wirtschaftliche und rechtliche Kenntnisse und auf allen diesen Faktoren basierenden Zielsetzungen und Planungen voraus. Zudem muss der Einsatz in Rahmen einer betriebsinternen gesamtstrategischen Ordnung erfolgen. Ohne diese drohen erhebliche Nachteile oder sogar ein totales, kosten und zeitintensives Misslingen.

Eine solche Strategie ist auf vielen Wegen möglich und ein „Mustervorgehen“ ist aufgrund der doch sehr unterschiedlichen Betriebe und den damit verbundenen extrem unterschiedlichen Anforderungen leider nicht vorstellbar.

Ich möchte daher hier nur ein paar ggf. zu bedenkende Punkte anführen.

  • Anerkennen der neuen Herausforderungen und die unbedingte Bereitschaft sich mit den digitalen Medien, Technologien und Techniken zu beschäftigen – ohne jedoch, s.o., dabei die eigene Kritikfähigkeit zu verlieren.
  • Anerkennen, dass die aktuelle Situation der Landwirtschaft und in Bezug auf den Klimawandel und das Artensterben nicht auf einem Defizit technischer und/oder digitaler Strukturen beruht, so dass deren Einsatz auch nicht zwingend und unmittelbar die notwendigen starken Änderungen erzeugen wird.
  • Bereitschaft zu einem kontinuierlichen Controlling und Evaluation aller Maßnahmen und erreichten Ziele und daraus resultierend, wenn erforderlich, die DUrchführung ständiger Anpassungen.
  • Bereitschaft und die Fähigkeit die Schwachstellen im eigenen Betrieb auch offen zu benennen. Wer sich hier selbst anlügt zahlt nicht nur drauf, sondern gefährdet die gesamte Digitalisierung.
  • Bereitschaft sich mit zum Teil schwierigen rechtlichen Grundlagen wie z.B. der Europäischen Datenschutzgrundverordnung und dem Bundesdatenschutzgesetz zu beschäftigen.
  • Ehrlich zu sich und den Mitarbeiter/innen sein und den Aufwand für jeden einzelnen nicht unterschätzen, insbesondere in Bezug auf die eigene Digitalkompetenz und die aller Mitarbeiter/innen.
  • Ehrliche Ist-Analyse aller bereits bestehender digitaler Technologien und Techniken.
  • Individuelle Zielsetzung, allein in Bezug auf den eigenen Betrieb unter Berücksichtigung der internen/externen Prozesse, Modelle, Marktsituation, Märkten, eigenen Produktionsabläufen und -zielen, eigenen Produktqualitäten/-erzeugung (Landwirtschaft und Tierwirtschaft), bestehenden Arbeitsmodellen und -attraktivität usw.
  • Prüfung der Zielsetzungen und der bestehenden Strategien unter Berücksichtigung der Chancen/Nutzen/Kosten/Abwägung für den eigenen Betrieb.
  • Ist-Analyse der Bereiche, in denen eine Digitalisierung erfolgen muss.
  • Ist-Analyse der Bereiche, in denen eine Digitalisierung erfolgen soll.
  • Ist-Analyse der Bereiche, in denen eine Digitalisierung erfolgen kann.
  • Festlegung der Dinglichkeit und Wichtigkeit in Stufen.
  • Prüfung der Kenntnisstände aller Mitarbeiter/innen in Bezug auf deren digitale Kompetenz, inkl. einer ggf. neu aufzubauenden Medienkompetenz und Technikaffinität (und Abbau von Vorbehalten und Ängsten).
  • Bereitschaft der Mitarbeiter/innen, sich in den gerade benannten Bereichen fortzubilden und zwar kontinuierlich. 
  • Bereitschaft der Inhaber/innen der Bio-Betriebe ggf. bestehende Geschäftsmodelle und nahezu alle Abläufe offen zu hinterfragen und auf deren Digitalisierungspotenzial zu prüfen.
  • Klärung der Kundenbedürfnisse des eigenen Betriebs, insbesondere für die Situation, die nach einer Digitalisierung entstehen wird/soll und dabei offen sein für mögliche weitere Änderungen/Verbesserungen durch die Digitalisierung.
  • Prüfung und Bewertung der unmittelbaren und mittelbaren Wettbewerber und Berücksichtigung der sich ändernden Grundstrukturen und Anforderungen im eigenen (Ziel-) Markt.
  • Prüfung und Bewertung der gesamten (!) internen und externen Kommunikationsstrukturen und -formen, insbesondere unter Berücksichtigung der sich beim Kunden/Verbraucher geänderten Anforderungen und Wünschen.
  • Ehrliche und offene Bewertung aller ggf. durch die Digitalisierung entstehenden neuen tatsächloichen, finanziellen und rechtlichen Abhängigkeiten zu den zahlreichen erforderlichen (Dritt-) Anbietern und Dienstleistern (inklusive eines “Plan B“)

Und natürlich:

Die Finanzierbarkeit unter Berücksichtigung insbesondere des unmittelbaren finanziellen (Erst-) Bedarfs und der mittelbar zu erwartenden weiteren Kosten (!) und der, s.o., ggf. neu entstehenden Abhängigkeiten zu Dienstleistern und/oder Anbietern.

Abschließend ein letzter Hinweis an dieser Stelle:

Die Digitalisierung kann nicht die längst notwendige bäuerliche und ökologische Agrarwende ersetzen, sie ist kein Instrument der Nachhaltigkeit und sie selbst schützt weder die Umwelt, noch stoppt sie den Klimawandel und das Artenstreben.

Die Digitalisierung kann immer nur als ein (!) Werkzeug zur Unterstützung eingesetzt werden. Sie bietet auch die Möglichkeit eines Missbrauchs (siehe auch „Kritik an der Digitalisierung“) und benötigt selbst erhebliche Ressourcen und besonders Energie.