EU-Agrarminister scheitern erneut

EU-Agrarminister scheitern erneut

Die EU hat bekannt gegeben, dass sie unter der Leitung der deutschen Landwirtschaftsministerin Klöckner ein Ergebnis für die Verteilung der Fördergelder im Agrarbereich gefunden habe. Obwohl die EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen vor nur wenigen Wochen in vollmundigen Worten den Wechsel der EU hin zu einem „echten Green Deal“ bekanntgegeben hat, ist davon schon jetzt praktisch (und wieder einmal) nichts mehr übrig geblieben. Sollte so nach den großen Ankündigungen bis 2030 erreicht werden, dass 50% weniger Pestizide und mindestens 20% weniger Düngemittel eingesetzt werden und der ökologische Anbau einen Anteil von 25% haben solle, ist davon keine Rede mehr. Und das Schlimmste kommt noch:

Von den fast 380 Mrd. EUR EU-Fördermittel für den Agrarbereich sollen bis 2027 weiterhin 80% eine reine Flächenprämie bleiben. Einzig 20% sollen an Umweltleistungen geknüpft werden (und selbst das ist nicht eindeutig)

Es macht den Anschein, dass in Brüssel entweder die weltweiten Informationen über den Klimawandel, das Artensterben und den längst notwendigen Systemwandel in der Land- und Tierwirtschaft nicht angekommen sind, nicht verstanden werden (wollen) oder aber weiterhin nur die großen Grundbesitzer „zu sagen haben“, was für uns alle „besser“ ist. Immer weniger von diesen besitzen immer mehr Land und die meisten sind nicht einmal mehr Landwirte/innen.

Die Vereinbarung gilt bis 2027. Spätestens dann werden wir wahrscheinlich weitere 50% oder sogar noch mehr von den bäuerlichen Betrieben in Deutschland verloren haben, denn schon in der Zeit von 1999 bis 2016 hatte sich die Zahl der Betriebe bereits von ca. 470.000 auf rund 275.000 reduziert. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Wobei man sich auch die Frage stellen kann, ob wir aufgrund des Klimawandels in 7 Jahren überhaupt noch eine Landwirtschaft, wie wir sie heute kennen, haben werden. Sehr wahrscheinlich nicht.  

Also weitere 7 Jahre ohne die absolut wichtigen Änderungen im gesamten Agrarsystem vorzunehmen. Stattdessen machen wir einfach weiter wie bisher. Und verkauft wird das auch noch als Erfolg.

Eine weitere Bankrotterklärung und eine Katastrophe für unsere Welt in der weiterhin wohl nur die wirtschaftlichen Interessen zählen, selbst dann sogar noch, wenn die gesamte Menschheit vor dem sicheren Klimacrash steht.

Wir steuern schon heute mit zu hoher Geschwindigkeit direkt auf die Mauer zu und was machen die Agrarminister der EU? Sie geben einfach noch mehr Gas.    

Digitalisierung nachhaltig gestalten – Ein Impulspapier des Bundesumweltamtes

Digitalisierung nachhaltig gestalten – Ein Impulspapier des Bundesumweltamtes

Das Umweltbundesamt (UBA) hat im November 2019 einen sehr interessanten Beitrag zu dem Thema einer nachhaltigen Digitalisierung herausgebracht. Mit dem 62-seitigen Werk will man nach eigenen Aussagen die Digitalisierung als neuen Schwerpunkt der Umweltpolitik etablieren und dies auch einer breiteren Öffentlichkeit gegenüber bekanntmachen. Ein Ziel, dass erreicht werden kann, wenn es denn genug Menschen lesen. Und das ist wirklich wünschenswert.

Im Ausblick macht das Amt deutlich, was es erreichen will:

„Die Digitalisierung bringt sowohl Chancen als auch Risiken für den Umweltschutz und die Umweltpolitik mit sich. Da die gesellschaftliche Debatte zur Digitalisierung bislang vor allem zu wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekten statt­findet, möchte das UBA dazu beitragen, stärker die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Umwelt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.“

Ein hoher Anspruch, dem es aber fast vollständig gerecht wird, wie bereits ein kleiner Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt:

Strategische Vorausschau“ zur Früherkennung möglicher Chancen und Risiken der Digitalisierung.

Umweltpolitische Handlungsfelder der Digitalisierung

Umweltverträgliche und ressourcenschonende Informations- und Kommunikationstechnik

Nachhaltigkeit und vernetzte Infrastrukturen

Digitalisierung und Umweltschutz in der Kreislaufwirtschaft

Digitale Transformation der industriellen Produktion

Digitalisierung und betriebliches Umweltmanagement

Umweltschonender Konsum 4.0

Nachhaltige Mobilität und Logistik 4.0

Umweltverträgliche Energieinfrastruktur 4.0

Digitalisierung und umweltgerechte Chemie

Umweltverträgliche Landwirtschaft 4.0

Ressourcenbewusste Wasserwirtschaft 4.0

Digitale Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung

Digitalisierung im Dienste von Umweltpolitik und Verwaltung

Digitalisierung und Umweltmonitoring und -information

Elektronische Verwaltung und Bürgerbeteiligung

Die Autoren haben sich sehr bemüht, einen guten Überblick über wichtige Themen zu finden und das ist ihnen auch gelungen. Aber wie immer, wenn man möglichst viel mit aufnehmen möchte, muss man irgendwann den Mittelweg zwischen lesbarer Information und einem ggf. zu umfangreichen Buch, welches nur noch von wenigen Spezialisten gelesen wird, finden. Die Folge: Viele Bereiche kommen vielleicht zu kurz. Das ist aber ausdrücklich keine Kritik an dem Beitrag, sondern unvermeidbar.

Das Impulspapier enthält viele wichtige Informationen, vermittelt Grundkenntnisse und ist zudem leicht verständlich. Da ist es auch nicht wirklich von großer Bedeutung, dass man sich die Schwerpunkte manchmal anders gewünscht hat und nicht immer der gleichen Meinung ist.

Dennoch: Sehr lesenswert!

QUELLE: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/digitalisierung-nachhaltig-gestalten

So wichtig ist strategisches Vorgehen bei der Digitalen Transformation

So wichtig ist strategisches Vorgehen bei der Digitalen Transformation

Die Digitalisierung der Bio-Betriebe setzt neben den eigenen unmittelbaren landwirtschaftlichen, insbesondere technische, wirtschaftliche und rechtliche Kenntnisse und auf allen diesen Faktoren basierenden Zielsetzungen und Planungen voraus. Zudem muss der Einsatz in Rahmen einer betriebsinternen gesamtstrategischen Ordnung erfolgen. Ohne diese drohen erhebliche Nachteile oder sogar ein totales, kosten und zeitintensives Misslingen.

Eine solche Strategie ist auf vielen Wegen möglich und ein „Mustervorgehen“ ist aufgrund der doch sehr unterschiedlichen Betriebe und den damit verbundenen extrem unterschiedlichen Anforderungen leider nicht vorstellbar.

Ich möchte daher hier nur ein paar ggf. zu bedenkende Punkte anführen.

  • Anerkennen der neuen Herausforderungen und die unbedingte Bereitschaft sich mit den digitalen Medien, Technologien und Techniken zu beschäftigen – ohne jedoch, s.o., dabei die eigene Kritikfähigkeit zu verlieren.
  • Anerkennen, dass die aktuelle Situation der Landwirtschaft und in Bezug auf den Klimawandel und das Artensterben nicht auf einem Defizit technischer und/oder digitaler Strukturen beruht, so dass deren Einsatz auch nicht zwingend und unmittelbar die notwendigen starken Änderungen erzeugen wird.
  • Bereitschaft zu einem kontinuierlichen Controlling und Evaluation aller Maßnahmen und erreichten Ziele und daraus resultierend, wenn erforderlich, die DUrchführung ständiger Anpassungen.
  • Bereitschaft und die Fähigkeit die Schwachstellen im eigenen Betrieb auch offen zu benennen. Wer sich hier selbst anlügt zahlt nicht nur drauf, sondern gefährdet die gesamte Digitalisierung.
  • Bereitschaft sich mit zum Teil schwierigen rechtlichen Grundlagen wie z.B. der Europäischen Datenschutzgrundverordnung und dem Bundesdatenschutzgesetz zu beschäftigen.
  • Ehrlich zu sich und den Mitarbeiter/innen sein und den Aufwand für jeden einzelnen nicht unterschätzen, insbesondere in Bezug auf die eigene Digitalkompetenz und die aller Mitarbeiter/innen.
  • Ehrliche Ist-Analyse aller bereits bestehender digitaler Technologien und Techniken.
  • Individuelle Zielsetzung, allein in Bezug auf den eigenen Betrieb unter Berücksichtigung der internen/externen Prozesse, Modelle, Marktsituation, Märkten, eigenen Produktionsabläufen und -zielen, eigenen Produktqualitäten/-erzeugung (Landwirtschaft und Tierwirtschaft), bestehenden Arbeitsmodellen und -attraktivität usw.
  • Prüfung der Zielsetzungen und der bestehenden Strategien unter Berücksichtigung der Chancen/Nutzen/Kosten/Abwägung für den eigenen Betrieb.
  • Ist-Analyse der Bereiche, in denen eine Digitalisierung erfolgen muss.
  • Ist-Analyse der Bereiche, in denen eine Digitalisierung erfolgen soll.
  • Ist-Analyse der Bereiche, in denen eine Digitalisierung erfolgen kann.
  • Festlegung der Dinglichkeit und Wichtigkeit in Stufen.
  • Prüfung der Kenntnisstände aller Mitarbeiter/innen in Bezug auf deren digitale Kompetenz, inkl. einer ggf. neu aufzubauenden Medienkompetenz und Technikaffinität (und Abbau von Vorbehalten und Ängsten).
  • Bereitschaft der Mitarbeiter/innen, sich in den gerade benannten Bereichen fortzubilden und zwar kontinuierlich. 
  • Bereitschaft der Inhaber/innen der Bio-Betriebe ggf. bestehende Geschäftsmodelle und nahezu alle Abläufe offen zu hinterfragen und auf deren Digitalisierungspotenzial zu prüfen.
  • Klärung der Kundenbedürfnisse des eigenen Betriebs, insbesondere für die Situation, die nach einer Digitalisierung entstehen wird/soll und dabei offen sein für mögliche weitere Änderungen/Verbesserungen durch die Digitalisierung.
  • Prüfung und Bewertung der unmittelbaren und mittelbaren Wettbewerber und Berücksichtigung der sich ändernden Grundstrukturen und Anforderungen im eigenen (Ziel-) Markt.
  • Prüfung und Bewertung der gesamten (!) internen und externen Kommunikationsstrukturen und -formen, insbesondere unter Berücksichtigung der sich beim Kunden/Verbraucher geänderten Anforderungen und Wünschen.
  • Ehrliche und offene Bewertung aller ggf. durch die Digitalisierung entstehenden neuen tatsächloichen, finanziellen und rechtlichen Abhängigkeiten zu den zahlreichen erforderlichen (Dritt-) Anbietern und Dienstleistern (inklusive eines “Plan B“)

Und natürlich:

Die Finanzierbarkeit unter Berücksichtigung insbesondere des unmittelbaren finanziellen (Erst-) Bedarfs und der mittelbar zu erwartenden weiteren Kosten (!) und der, s.o., ggf. neu entstehenden Abhängigkeiten zu Dienstleistern und/oder Anbietern.

Abschließend ein letzter Hinweis an dieser Stelle:

Die Digitalisierung kann nicht die längst notwendige bäuerliche und ökologische Agrarwende ersetzen, sie ist kein Instrument der Nachhaltigkeit und sie selbst schützt weder die Umwelt, noch stoppt sie den Klimawandel und das Artenstreben.

Die Digitalisierung kann immer nur als ein (!) Werkzeug zur Unterstützung eingesetzt werden. Sie bietet auch die Möglichkeit eines Missbrauchs (siehe auch „Kritik an der Digitalisierung“) und benötigt selbst erhebliche Ressourcen und besonders Energie.

Bio-Siegel: Wie kann man hier den Überblick bewahren?

Bio-Siegel: Wie kann man hier den Überblick bewahren?

Der Bereich der Bio-Siegel ist so umfangreich, dass es die Seitenzahl meines Ratgebers glatt verdoppeln würde. Ich möchte daher neben den Stellen, an denen die Siegel dort angesprochen wurden, hier nur einmal kurz auf eine Webseite hinweisen, die einen sehr guten Überblick und viele wertvolle Informationen zu dem Thema enthält.

Unter: www.siegelklarheit.de bekommt man einen umfangreichen Überblick über nahezu alle Siegel, deren Voraussetzungen und weiterer Hintergrundinformationen. Die Seite ist hervorgegangen aus einem Projekt, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) initiiert und finanziert wurde. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) betreut sie.

Die Seite bietet aktualisierte Daten und so u.a. auch die jeweiligen konkreten für die Verwendung einzelner Siegel einzuhaltenden Voraussetzungen. Wie in meinem Ratgeber dargestellt, kann die Verwendung von solchen Siegeln gleich aus mehrfacher rechtlicher Sicht extrem gefährlich sein, so dass hier unbedingt eine Einhaltung aller Vorgaben zur Vermeidung unnötiger Risiken und nachteiliger wirtschaftlicher Folgen für die Betriebe unbedingt erforderlich ist.

Ist die Digitalisierung wieder nur was für die Großen der Bio-Branche?

Ist die Digitalisierung wieder nur was für die Großen der Bio-Branche?

Bevor ich die Frage etwas ausführlicher beantworte, möchte ich an dieser Stelle noch einmal ein in einem vorangegangenen Eintrag bereits ausführlicher dargestelltes Ergebnis der Bitkom-Research Umfrage aus diesem Jahr wiedergeben, denn sie macht deutlich, welche Meinungen, aber auch Bedürfnisse in der Branche vorherrschen.

82% der Befragten gaben an, bereits digitale Technologien zu nutzen.

Interessant dabei, dass diese Durchschnittszahl in Bezug auf die Größe nach ha wie folgt ausgefallen ist:

30-49 ha: 64%

50-99 ha: 71%

Ab 100 ha: 91%

Der Bedarf ist also umso größer, je weniger der Betrieb Flächen hat.

Quelle:  https://www.bitkom-resarch.de/system/files/document/200427_PK_Digitalisierung_der_Landwirtschaft.pdf

Des Weiteren ist es bislang so gewesen, dass die technische Aufrüstung vor der Digitalisierung in aller Regel nur für große Betriebe überhaupt möglich war, wenn überhaupt.

Die in den letzten Jahrzehnten immer größer und teurer werdenden Maschinen konnten sich kleinere Betriebe nicht leisten, sondern allenfalls für einen temporären Einsatz mieten. Da nicht zuletzt durch den Klimawandel die Zeitfenster für den Einsatz der meisten Maschinen in der Landwirtschaft immer kleiner werden, ist deren Anmietung mit meist steigenden Kosten und Risiken verbunden. ABER: Die Digitalisierung ist ebenfalls mit erheblichen Kosten verbunden, nur ist eine schrittweise Vorgehensweise hier wohl einfacher.

Hier ist also ein „Nein“ meine Antwort auf die in der Überschrift gestellte Frage. Vielleicht sogar ganz im Gegenteil. Es scheint so zu sein, dass gerade kleinere Bio-Betriebe, nicht zuletzt aufgrund der schlankeren Strukturen, schneller und flexibler digitale Maßnahmen planen und umsetzen können. Sie können zudem meist schneller wieder Korrekturen vornehmen, wenn durch die geplante Strategie und dann umgesetzten Maßnahmen die gewünschten Ziele nicht erreicht werden konnten.

Größere Betriebe haben in der Regel zwar mehr Kapital für Digitalisierungsmaßnahmen zur Verfügung, können aber meist nicht so schnell auf Änderungen oder notwendig gewordene Anpassungen reagieren.

Die Anbieter wissen das auch und es ist eine interessante Entwicklung zu erkennen: Der Einsatz digitaler (und meist konfigurierbarer) Strukturen ist in aller Regel praktisch unabhängig von der Größe des Betriebs möglich und sinnvoll.

Bei der Entwicklung von digitalen Fahrzeugen ist, im Gegensatz zu der in den letzten Jahrzehnten gerade in der Landwirtschaft zu erkennenden Drank zur Gigantomanie und immer größerer Fahrzeuge, ein gegenläufiger Trend erkennbar.

Heute nimmt hier gerade bei halb- oder vollautonomer Fahrzeuge die Entwicklung kleinerer Fahrzeuge/Roboter einen großen Raum ein. Während also in den letzten 30-40 Jahren die Entwicklung z.B. der landwirtschaftlichen Nutzfahrzeige zu immer größeren und damit auch teureren Einheiten geführt hat, ist nun die Entwicklung insbesondere auch sehr kleiner Fahrzeuge gegeben. Viele der kleine Nutzroboter haben die Größe eines Reisekoffers mit Rädern und können perfekt so z.B. auf die Spurbreite der Pflanzungen angepasst werden. Viele fahren selbstständig aus ihren Ladestationen heraus, vernichten gleichzeitig mechanisch Unkraut und harken den Boden und fahren selbstständig wieder in Ihre Garagen, wenn Sie neue Energie brauchen. Dazwischen sind 10-14 Stundenschichten kein Problem und eigentlich setzt hier nur die Energie eine zeitliche Grenze. Zudem sind sie aufgrund des elektrischen Betriebs so leise, dass aus rein akustischen Gegebenheiten sogar ein 24/7 Betrieb theoretisch möglich wäre.

Man kann also sagen, dass es heute praktisch egal ist, wie groß ein Bio-Betrieb ist und es sogar bei näherer Betrachtung so ist, dass eine Digitalisierung gerade bei den kleinen bis mittleren Betrieben einfacher, viel genauer, und damit sogar kostengünstiger, umgesetzt werden kann.

Gerade diese werden daher in der nahen Zukunft durch einen sinnvollen Einsatz der digitalen Möglichkeiten eine völlig neue Wettbewerbsfähigkeit erreichen und den großen Betrieben durch ihre Flexibilität und geringere Abhängigkeitsstrukturen vielfach den Rang ablaufen.

Nur die Planung, die strategischen Maßnahmen und die unbedingt erforderlichen kontinuierlichen Kontrollen (und ggf. Anpassungen/Änderungen) müssen bei allen so ausgestaltet sein, dass die positiven Möglichkeiten und Folgen einer sinnvollen Digitalisierung für alle eingesetzt werden.

Egal ob großer oder kleiner Bio-Betrieb, die neuen digitalen Technologien können in allen Betrieben den Arbeitsaufwand aller Menschen mittel- und langfristig reduzieren, die Erträge sicherer machen und das Tierwohl verbessern. Die Kommunikation mit den Verbrauchern kann optimiert und die Transparenz in der gesamten Wertschöpfung erhöht werden. Zudem kann der Einsatz von Pflanzenschutzmittel, Dünger und Wasser sehr viel genauer und dadurch im Ergebnis in der Regel auch reduzierter eingesetzt werden. Die Digitalisierung stellt flexible und teilbare Werkzeuge bereit, die nicht nur die großen Betriebe nutzen und sich leisten können und die auf die jeweils konkrete Größe, den Standort und die jeweiligen individuellen Bedürfnisse der Betrieb, unabhängig von deren Größe, konfiguriert werden können. Nicht vergessen werden sollten hier die Möglichkeiten digital gesteuerter kleinen Maschinen z.B. im Bereich der eigentlich mechanischen Arbeiten (z.B. Unkrautbekämpfung). 

TIPP

Interessant für alle kleinen und mittleren Bio-Betriebe wird hier eine gerade gestartete 3-jährige Studie der Universität Hohenheim sein, die in ihrem Projekt DiWenkLa ( = Digitale Wertschöpfungskette für eine nachhaltige kleinstrukturierte Landwirtschaft):

„Zu diesem Zweck werden im Projekt DiWenkLa gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Dienstleistung sowie mit der landwirtschaftlichen Praxis Experimentierfelder in der Metropolregion Stuttgart und dem Südschwarzwald aufgebaut. Das Vorhaben beschäftigt sich insbesondere mit dem Einsatz digitaler Technologien in den Produktionszweigen Ackerbau (Getreide und Eiweißfrüchte), Feldgemüsebau, Grünlandbewirtschaftung sowie Rinder- und Pferdehaltung.

Dabei werden verschiedene (digitale) Technologien aus den Bereichen Robotik und Automation sowie Sensorik, auch im Zusammenspiel mit der Künstlichen Intelligenz, weiterentwickelt und angewendet. Aber auch Kommunikationssysteme sowie Cloudsysteme und Farm Management Systeme (FMIS) stehen im Fokus. Diese (digitalen) Technologien und Systeme sollen den Schutz von Umwelt und Natur noch stärker unterstützen, ein höheres Tierwohl ermöglichen, aber auch zur Arbeitserleichterung sowie zu einer höheren ökonomischen Effizienz beitragen. Weitere Ziele bestehen darin, mit geringen Kosten einen wertschöpfungssteigernden und selbstbestimmten Zugang zur Verarbeitung, zum Handel sowie zum Endkonsumenten zu erhalten sowie die Widerstandskraft der Betriebe im Fall von Systemausfällen zu steigern.“

https://diwenkla.uni-hohenheim.de/

Wichtige Ergebnisse der Umfrage vom Bund ökologischer Lebensmittelwirtschaft

Wichtige Ergebnisse der Umfrage vom Bund ökologischer Lebensmittelwirtschaft

Die neuesten Zahlen machen in der ökologischen Lebensmittelwirtschaft zahlreiche Veränderungen zum positiven deutlich. Sie zeigen aber auch auf, wo die Branche noch Nachholbedarf und Optimierungschancen hat.

Hier die Ergebnisse im Einzelnen:

In ganz Deutschland werden 1.622.103 Hektar Land ökologisch bewirtschaftet

2019 lag der Bio-Umsatz bei 11,9 Milliarden EUR und damit um knapp 10% über dem des Vorjahrs

Bio-Produkte machen nur rund 5,5% des gesamten Lebensmittelumsatzes aus. Zum Vergleich: In Dänemark liegt der Anteil bei 11,5% und in Schwede bei 9,6%

Jede(r) Deutsche gab im letzten Jahr 132,00 EUR für ökologisch produzierte Lebensmittel aus, während die Schweizer/innen im gleichen Zeitraum für 312,00 EUR einkauften. Der deutsche Markt ist zwar aufgrund seiner Größe (und der Anzahl der Einwohner/innen) absolut gesehen der größte, der Pro Kopf Einkauf ist aber noch sehr steigerungsfähig.

QUELLE:https://www.boelw.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Zahlen_und_Fakten/Brosch%C3%BCre_2019/BOELW_Zahlen_Daten_Fakten_2019_web.pdf