Digitalisierung ist nur ein Werkzeug!  Teil 1

Digitalisierung ist nur ein Werkzeug! Teil 1

Immer wieder werde ich gefragt, ob die Digitalisierung in der Bio-Branche und insbesondere der Bio-Vieh- und Landwirtschaft sinnvoll und erforderlich ist.

Nun, ich könnte die juristische Standardantwort geben: „Kommt darauf an!“ und mich damit irgendwie aus der persönlich Verantwortung ziehen. Das möchte ich aber nicht. Im Gegenteil.

Schon die Frage wird den eigentlichen Problemen nicht gerecht, denn eines muss uns klar sein: Wir reden hier von einem höchst komplexen und komplizierten Bereich, in dem aktuell lediglich und vorrangig unglaublich viel Nicht-Wissen auf gigantische wirtschaftliche Wachstumschancen in einigen Branchen zu treffen scheint.

Ich möchte in einer hier nun gestarteten neuen Reihe von Beiträgen zu diesem Thema versuchen, Ihnen in einem immer weiter fortgesetzten Teilen die wichtigsten Punkte aus technischer, ökonomischer aber insbesondere ökologischer, gesellschaftlicher und sozialer Sicht und deren jeweiligen rechtliche Bewertungen (inkl. entsprechender Risikoanalysen) aufzeigen.

Ein wichtiger Grund für diese Form der Herangehensweise ist der, dass heute bereits die Dynamik in diesem, und in allen damit unmittelbar oder mittelbar in Verbindung stehenden weiteren Bereichen, extrem hoch ist. Ein Textbeitrag, der alle Fragen, Probleme und Risiken aufzeigt, erörtert und beantwortet, ist daher bereits dem Grunde nach unmöglich und nicht nur wegen des unglaublichen Umfangs praktisch wertlos.

Wichtig ist, dass heute immer mehr und schneller zu beachtende neue Informationen, technische Entwicklungen, gesetzliche Vorgaben, Urteile auf nationaler und europäischer Ebene oder auch zahlreiche Innovationen auftreten und daher selbst ein fortlaufender Blog wie dieser schneller als erwartet schon wieder „überholt“ sein kann. Aus diesem Grund habe ich übrigens mein e-book nicht mehr aktualisiert, denn bei z.B. nur etwas mehr als 1-2 Monaten Bearbeitungszeit, konnte ich eigentlich in vielen Bereichen schon wieder von vorne beginnen.   

Also, lassen Sie uns beginnen. Und eines gleich mal klar und deutlich gesagt:

Es gibt bereits keine „Digitalisierung“ als solche und sie kann selbst gar keine Lösung oder auch nur einen halbwegs klaren oder nachvollziehbaren Weg darstellen. Sie war und ist nur ein „Werkzeug“, bei dem aber man nicht einmal weiß, um welches es sich eigentlich handelt. Und schon gar, wie man es einsetzen kann, soll und muss.

Oder noch einfacher ausgedrückt:

Wer eine Digitalisierung als die Lösung von Problemen angibt, hat nichts, aber auch gar nichts verstanden. Oder er kommt aus der Wirtschaft und verdient mit einer solchen Empfehlung sein Geld.  

Dieses ganze Gerede von der großen „disruptiven Revolution“, der „Änderung der Welt in allen Bereichen“, ist so erst einmal nicht mehr als reines Marketinggeschwätz! Nahezu völlig sinnlos und gefährlich dazu.

Ja, die Digitalisierung wird voranschreiten, was sie übrigens schon seit Jahrzehnten macht, ohne dass nun alle auf diesen „hippen Zug“ aufspringen. Und ja, es kann einige wenige (!) Bereiche und Einsatzgebiete geben, in der eine Digitalisierung einzelner Prozesse, Verfahren (-schritte), Strukturen oder Teilen davon wirklich Sinn machen kann (aber ggf. nicht einmal muss!) oder sogar unbedingt notwendig ist.

Wen aber nicht einmal weiß, welches Werkzeug er in welcher Ausführung hat oder braucht, wer nicht weiß, ob er einen Nagel in die Wand hauen oder eine Mutter lösen muss, sollte sich vielleicht erst einmal fragen was er WIRKLICH braucht (und ich werde zeigen, dass allein diese Frage schwerer zu beantworten ist, als das viele glauben wollen).

Er muss sich fragen, was er tatsächlich umsetzen und erreichen will. Er muss offen zu sich sein, und sich zudem fragen, welche Vor-, Nachteile und Risiken das für ihn, die Gesellschaft, die Menschheit oder die Umwelt mit sich bringen kann, ob der Kosten-Nutzen-Faktor für diese alle wirklich positiv ausfällt usw. Und dann, aber erst dann, kann er zu überlegen beginnen, welches Werkzeug er wirklich braucht, wann, wo, wie lange und ob es ein digitales sein soll oder muss… Das sind viele, sehr viele Fragen.

Und seien wir ehrlich und belügen uns nicht noch weiter:

Wenn man die gesamten ökologischen und sozialen Aspekte mit berücksichtigt, die Chancen und Risiken wirklich vollumfänglich aufzeigt, wird es für die Bio-Branche und Bio-, Land-, Forst- und Viehwirtschaft schwierig oder sogar existenziell gefährdend.

Die Zukunft der Menschheit hängt ganz sicher nicht von einer wie auch immer gearteten Digitalisierung ab. In einigen sehr wenigen Bereichen kann eine Unterstützung durch einzelne sehr genaue, kritisch durchdachte und ehrlich und offen geprüfte unterstützenden Digitalisierungsmaßnahmen besser gestaltet werden. Nicht mehr und nicht weniger. In anderen ist eine Digitalisierung vielleicht aber das größte Risiko und muss daher unterbleiben.

Die Biobranche und insbesondere die Bio-, Land-, Forst- und Viehwirtschaft hat eine große Verantwortung für die beiden größten Probleme der Menschheit:

Das Artensterben und den Klimawandel.

Und ja, in einigen wenigen Bereichen können uns vielleicht digitale Unterstützungsmaßnahmen bei diesem Kampf helfen.

Aber eher sanft statt disruptiv, eher sehr bedacht und immer mit einem sehr kritischen und genauen Blick auf die ganzen notwendigen nachhaltigen, maßvollen, menschlichen und ökologischen Teilbeiträge.

Nur dann können diese zu einer echten positiven Unterstützung der unglaublich komplexen Lösungen der beiden wichtigsten und größten Aufgaben der Menschheit etwas beitragen.

Mehr jedoch ganz sicher nicht.

Scheitern wir daran, scheitert die Menschheit.

Teil 2 folgt in wenigen Tagen

Lange/Santarius: Smarte grüne Welt?

Lange/Santarius: Smarte grüne Welt?

Das 2018 erschienene und u.a. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Buch stellt einen großartigen Einstieg in die Frage dar, ob eine „Smarte grüne Welt“ wirklich das Ziel und die einzige Lösung darstellt.  Welche Probleme müssen dabei unbedingt mit berücksichtigt und bedacht werden? Ja, es geht auch um viele weitergehende Fragen, so u.a. darum, wie eine Digitalisierung unser individuelles Konsumverhalten und das Thema der Nachhaltigkeit beeinflusst und welche Gefahren z.B. aufgrund der immer größer werdenden Datenmengen und einer ggf. drohenden Überwachung zu bedenken sind. Werden zudem wirklich alle Menschen von einer Digitalisierung profitieren und wird die Gefahr der Bildung einiger neuer Machtmonopole nicht sogar steigen? Welche Auswirkungen, insbesondere ökologische und soziale, haben die neuen digitalen Prozesse und Strukturen auf unser gesamtes Leben und auf unsere Umwelt und die Natur? Und wird es nicht die ganzen bestehenden Ungleichheiten in vielen Bereichen weltweit eher noch verschärfen?

Die beiden Autoren, der promovierte Volkswirt Steffen Lange und der Professor für Sozial-Ökologische Transformation und Nachhaltige Digitalisierung an der TU Berlin, Tilman Santarius, sind ausgewiesene Experten auf dem Gebiet und schaffen es problemlos auch komplexere wissenschaftliche Zusammenhänge leicht verständlich und sehr gut lesbar darzustellen. Das größte Lob kann man dem Autorenteam dafür aussprechen, dass sie es schaffen, bei der gerade überall gepuschten Digitalisierung niemals den so unheimlich wichtigen kritischen Blick zu verlieren. Sie räumen u.a. gleich mit mehreren der Digitalisierung zu Unrecht „unterstellten“ positiven Auswirkungen auf und begründen dies in immer nachvollziehbarere Art und Weise, unterstützt durch eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien und deren Ergebnisse. Gerade die diesem Themenbereich anhaftende große Komplexität ist es, die bei diesem möglichen Weg eine Neugestaltung nahezu jedes Bereichs unseres Lebens die größten Risiken häufig nicht mehr sichtbar werden lässt.

Das Buch macht deutlich, was auch jeder Bio-Betrieb wissen sollte: Die Digitalisierung ist nur ein Instrument, nicht mehr und nicht weniger. Es kann, richtig eingesetzt, positive Auswirkungen haben. Es kann aber auch große Risiken erzeugen und Betriebe in eine deren Existenz bedrohende Abhängigkeit führen.

Kritik?

Ja, der Bereich des Themas Datenschutz hätte meiner Ansicht nach etwas ausführlicher ausgestaltet werden können. Diese Kürze ist an einigen anderen Stellen auch so zu finden und ist bei genauer Betrachtung sogar ein Pluspunkt, denn wenn die Autoren hier jeweils mehr geschrieben hätten, was sie aufgrund ihrer Expertise ohne Zweifel hätte tun können, wäre das Buch nicht nur rund 200, sondern sicherlich mehr als 400 Seiten stark geworden und das hätte dazu geführt, dass vielleicht einige Leser*innen das Werk nicht so gerne kaufen würden. Wir alle kennen das: Je mehr Seiten, je mehr Details, desto mehr kann der große Umfang dann sogar abschreckend wirken. Zudem sind die Themenschwerpunkte perfekt gewählt und für die Leser*innen, die sich weiter und tiefer in die Materie einlesen wollen, gibt es ein umfangreiches Literaturverzeichnis und eine Liste mit wirklich sehr guten weiterführenden Anmerkungen/Verweisen.

Fazit:

Ein sehr gutes und sehr wichtiges Buch mit hervorragend ausgewählten Inhaltsschwerpunkten, trotz oder gerade wegen der zum Teil eher kürzeren Einzeldarstellung. Unbedingt empfehlenswert!

Steffen Lange, Tilman Santarius, „Smarte Grüne Welt?“, oekom verlag München, 2018, 15,00 EUR (D)

Siehe auch: https://www.oekom.de/buch/smarte-gruene-welt-9783962380205

DigiMilch – Echte Lösung oder fragwürdiges Experiment?

DigiMilch – Echte Lösung oder fragwürdiges Experiment?

Das Projektteam DigiMilch der Landesanstalt für Landwirtschaft des Landes Bayern erhielt in diesem Jahr eine weitere Unterstützung durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Im Titel des Projektes wird deutlich, was hier eigentlich „getestet“ werden soll: Die Digitalisierung der gesamten Verfahrenskette der Milcherzeugung. In dem Experiment sollen insbesondere 5 Bereiche und darin mögliche digitale Lösungen untersucht werden:

  1. Tierindividuelle Sensorsysteme
  2. Sensorgestützte Ertragsmitteilung
  3. Fütterungsmanagement
  4. Eine vernetzte Stalltechnik
  5. Wirtschaftsdüngermanagement

Einen der Schwerpunkte sehen die Forscher hier, wie übrigens in allen Bereichen, die einer Digitalisierung unterzogen werden sollen, in der notwendigen idealen Vernetzung der verschiedenen Lösungsfunktionalitäten und -techniken. Zudem soll u.a. der gesamte Kreislauf der Nährstoffe dokumentiert und ebenfalls optimiert werden. Da hierbei bereits die Düngung des Futters und dessen Ernte mit einbezogen werden soll, macht leider auch dieses Projekt wieder deutlich, dass die Daten nicht nur in dem eigentlich erkennbaren unmittelbaren Einsatzgebiet erhoben und nur dort verarbeitet werden sollen, sondern in vielen anderen weiteren Bereichen, u.a. der gesamten Wertschöpfungskette.

Bedarfsgerechter Futteranbau, vollautomatische Fütterung, automatisiertes Melken, direkter Daten-Anschluss an die gesamte weitere milchverarbeitende Industrie, bis hin zur digitalen Ansprache einzelner Kunden, mit ggf. individuell auf deren Verkaufswünsche erstellte Produkte.

Neben der durch die Digitalisierung unmittelbar und einfach erreichbaren Automatisierung und den daran anschließenden und keineswegs nur positiv zu bewertenden Quantitätsoptimierungen, liegt der (noch versteckte?) Fokus wohl auch hier wieder in der Erzeugung und Nutzung und Verkettung möglichst vieler verschiedenen Daten, die dann in möglichst vielen anderen Bereichen/Branchen „eingesetzt“ werden können. Im Grunde ist man nicht mehr weit entfernt von der perfekten Aussaat bis zur Auslieferung eines individuellen Milchproduktes für genau den einen Kunden. Produziert ganz nach dessen Wünschen, wann und wie er es will.

Die Bedenken dabei liegen auf der Hand und auf diese habe ich bereits mehrfach hingewiesen. Was das aber allein für das unmittelbare Tierwohl bedeuten kann, ist nicht schwer zu erkennen. Und was machen Landwirte*innen, wenn die niemals ausschließenden Probleme mit digitalen System auffangen? Von Strom oder ganzen Systemausfälle über einen längeren Zeitraum ganz zu schweigen? Wie will er das nicht verschiebbare Melken dann kurzfristig gewährleisten?

Eine volldigitalisierte Milchlandwirtschaft kann ohne die ganzen verschiedenen Anbieter der Technik, Soft- und Hardware nicht existieren. Kommt es zu einem Konflikt mit diesem, kann eine Umstellung auf alternative andere Anbieter im laufenden Betrieb praktisch so gut wie nicht stattfinden. Kurzfristige alternative Verfahren und Modelle und Plan-B Lösungen sind praktisch ausgeschlossen. Nicht der Landwirt ist der, der dann noch seinen Hof bewirtschaftet, sondern allein die Hersteller und Servicedienstleister der gesamten eingesetzten Technik.

Und worum geht es vielleicht wirklich? Nun, das könnte einfach sein:

Warum braucht man, wenn man diese Modelle konsequent weiterdenkt, überhaupt noch einen Landwirt oder eine Landwirtin? Sind die Milchhöfe erst einmal vollständig digitalisiert, kann praktisch jeder weltweite Investor sofort einem solchen Betrieb in kürzester Zeit nahezu an jeder Stelle und in jeder Größe errichten. Hallen mit mehreren Tausend Milchkühen? Gar kein Problem mehr, denn die Technik kann das schon heute. Ein weiteres Horrorszenario einer reinen weiteren Industrialisierung der Land- und Tierwirtschaft und sicherlich nicht der richtige Weg.

Ein nicht nur allein aus diesen Punkten heraus sehr kritisch zu beobachtendes Projekt, bei dem die wahren Ziele der Forschung (noch) nicht offenkundig sichtbar zu seien scheinen. Wer zudem nur einmal die gerade für die im Bereich der Milchwirtschaft in keinem Verhältnis zu den dort erzielbaren Umsätzen stehenden extrem hohen Investitionskosten berücksichtigt, weiß, dass diese wohl niemals zu erwirtschaften sein werden. Hinzu kommen sofortige und langfristig erheblich höhere laufende Kosten auf die Höfe zu, ohne dass dem eine ebenso schnelle und unmittelbare signifikante Steigerung der Quantität und Qualität gegenüber steht, die diese Kosten decken könnten. Wenn nicht alle Landwirte*innen nicht endlich faire Preise für ihre gesamten Produkte bekommen, insbsondere bei der Milch, ist ein solches Projekt, wenn überhaupt, nur aus rein wissenschaftlichen Gründen interessant. Mit der Realität der Höfe hat es nichts zu tun.

Es macht hier eher den Eindruck, dass es wieder einmal so ist, wie in anderen Bereichen einer digitalisierten Landwirtschaft auch, denn die einfache Frage lautet:

Womit bezahlt der Milchhof seine vielen neuen und höheren Rechnungen?

Genau: Mit Daten!

Quelle und weitere Infos; https://www.lfl.bayern.de/digimilch

Hier noch der link zu einem Bericht im BR Fernsehen zu dem Thema:

https://www.br.de/br-fernsehen/programmkalender/ausstrahlung-2302688.html

Gehören für mich die SoLaWis, RVL und CSA mit dazu?

Gehören für mich die SoLaWis, RVL und CSA mit dazu?

Ich habe mehrere Anfragen erhalten, ob ich denn auch SoLaWis, regionalen Vertragslandwirtschaften (RVL) und Community Supported Agriculture (CSA) im Bereich der Digitalisierung betreuen würde, da ich ja meist über Bio-Höfe und Bio-Betriebe spreche. Meine klare Antwort: Aber natürlich!

Gerade diese besonderen Formen einer nicht-industriellen und marktunabhängigen Landwirtschaft müssen aufgrund ihrer zum Teil sehr spezifischen rechtlichen Strukturen ein paar zusätzliche Vorgaben bei der Digitalisierung beachten. Diese erwachsen meist aus diesen selbst unmittelbar aber auch mittelbar, z.B. aus deren Zielsetzungen. So kann z.B. das Vorliegen einer genossenschaftlichen Grundstruktur zu weiteren Aufgaben führen, wenn es um die Bereiche Datensicherheit, Datenschutz und IT-Sicherheit geht. Zudem ergeben sich u.U. zusätzliche Probleme durch die verschiedenen Personen, die z.B. auf Daten zugreifen könn(t)en.

Neben den besonderen Anforderungen an eine Digitalisierung, erwachsen u.a. aus den Bereichen Umweltschutz, Ressourcenschutz, Nachhaltigkeit und den Grundsätze und Umsetzungsformen einer sozial-ökologischen Wirtschaft, spezielle Anforderungen an die rechtlichen Vorgaben eines Datenschutzes, sowie u.a. dem so ungemein wichtigen „Eigentum an den Daten“. 

Schließlich hat die „Beteiligung“ von Privatpersonen an diesen besonderen Wirtschaftsformen mittelbare und unmittelbare Auswirkungen auf die Digitalisierung der einzelnen und meist doch unterschiedlichen Betriebe, die nicht unterschätzt werden sollten. Das gilt insbesondere dann, wenn die diese in verschiedenen Rechtsformen, Ausgestaltungen und Zielsetzungen betrieben, und damit ggf. unterschiedliche Verfahren und Prozesse benötigt werden.

Es ist daher dringend erforderlich, bei der strategischen Ausrichtung diese Punkte mit einzubeziehen.

Haben wir den Kampf gegen den Klimawandel und das Artensterben nicht schon längst verloren?

Haben wir den Kampf gegen den Klimawandel und das Artensterben nicht schon längst verloren?

In der letzten Zeit mehren sich die Stimmen, die sagen, dass wir die Klimakatastrophe heute praktisch schon nicht mehr verhindern können. Wir müssen uns damit abfinden und nur noch darüber nachdenken, wie wir mit der Katastrophe und deren Folgen für uns und den Planeten umgehen sollen. Aber was bedeutet das? Aufgeben?

So wird von den Vertreter der Ansicht u.a. ausgeführt, dass jeder Mensch, der heute jünger als ca. 60 Jahre alt ist, große Chancen haben wird, das Artensterben noch selbst in hohem Maße mitzuerleben.

Ja, die Prognosen sind wirklich düster:

Der Anstieg der Meere, schlimmer werdende Klima- und Wetterextreme, unglaubliche Ausfälle der Ernten weltweit wegen immer längerer und schlimmerer Dürren oder gewaltigen Überschwemmungen, Staaten die volkwirtschaftlich kapitulieren müssen und viele hundert Millionen Menschen auf der Flucht vor den Klimaauswirkungen oder den daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen.

In weniger als 50 Jahren soll bereits fast die Hälfte der Menschen in wetterbedingt unbewohnbaren Regionen leben.

Wie bereits gesagt, denke ich, dass allein die beiden großen Probleme Klimawandel und Artensterben so komplex sind, dass eine einfache Lösung bereits dem Grunde schlichtweg unmöglich ist. Wenn dies aber so ist, ist es auch unwahrscheinlich eine sichere Prognose für einen bereits heute bestehenden „Point of no Return“ abgeben zu können.

Zudem denke ich, dass es gerade wegen der enormen Komplexität und den extremen Abhängigkeiten und der kaum beherrschbaren Vorhersehbarkeit der Auswirkungen der Faktoren untereinander, sehr wohl noch gute und richtige Wege gibt.

Klimawandel

Ein paar Ideen:

Beim Klimawandel kann man z.B. die natürlichen CO2 Speicher schützen oder diese schnellst möglichst weiter ausbauen. Neben dem Aufforsten und dem schnell und extrem zu verbessernden Schutz bereits bestehender Wälder ist dies z.B. die Renaturierung aller Moorgebiete weltweit.

Zudem kann der Mensch aktiv der Atmosphäre CO2 entziehen und es z.B. in unterirdischen Regionen lagern oder sogar in Stein binden. Einige der Techniken sind noch kostspielig, werden aber sicher günstiger werden und stellen im Ergebnis zur Alternative wohl auch bei hohen Zahlen die weitaus geringeren Investitionen dar.

Island air catcher

https://www.tagesschau.de/ausland/co2-island-101.html

Unabhängig davon, dass einige neue Technologien, wie z.B. die CCS ( Carbon Capture and Storage)

https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/grundwasser/nutzung-belastungen/carbon-capture-storage#grundlegende-informationen

zum Teil noch sehr kritisch zu würdigen sein werden, stellen sie doch grundsätzlich erst einmal zu prüfenden Wege da.

Aber Achtung:

Selbst wenn wir natürliche oder künstliche CO2 Speicher haben oder diese in der Quantität ausbauen, entbindet dies uns alle nicht davor, die Emissionen ibereits bei deren Entstehung extrem zu senken. Denn, wie der Weltklimarat schon sagte, sind nur beide, also die Maßnahmen bei der Entstehung der Emissionen u n d die einer späteren Bindung wohl gemeinsam zielführend.

Und das alles ist keine Fiktion, sondern es geht wirklich, wie die Stadt Kopenhagen es schon vielversprechend vormacht. Bis 2025 will sie CO2 neutral sein.

https://www.handelskammer.dk/newsroom/news-details/kopenhagen-klimaneutral-bis-2025

Aber gerade auch in Kopenhagen zeigt sich, dass es wieder sehr viele verschiedene Handlungen und zahlreiche Einzelmaßnahmen sind, die schließlich erst gemeinsam zu einem ausgezeichneten Gesamtergebnis führen werden.

Artensterben

Auch beim Artensterben sind wir es alle, die versuchen müssen, gemeinsam durch die o.a. Punkte und einem kompletten Umdenken der eigenen Verhaltens- und Lebensweisen die von uns allen verursachte Umweltzerrstörung zeitnah zumindest erst einmal zu mindern. Wichtig ist, dass wir uns bewusst werden, dass das Artensterben auch durch den Klimawandel, aber in hohem Maße bereits von der allein von uns ebenfalls verursachten Umweltzerstörung verursacht wird und wir daher auch an beiden Problemen arbeiten müssen. Es gibt keine Entschuldigung zu behaupten, dass wir den Klimawandel nicht schaffen können und daher das Artensterben auch nicht mehr aufzuhalten ist. Allein durch ein schnelles Beenden der Umweltzerstörung, wird zumindest das Artensterben erheblich und unmitelbar eingeschränkt werden, was wiederum den Kampf gegen den Klimawandel unterstützen würde.

Hier gibt es bereits eine Vielzahl von Maßnahmenvorschlägen, von denen ich hier nur beispielshaft ein paar aufzeigen möchte:

Ein Stopp des weltweiten Verbrauchs von Land für nicht-landwirtschaftliche Nutzungen und eine Umstellung auf biodiversitätsfreundlichere Bewirtschaftung.

Reduzierung der erzeugten Masse an Agrarprodukte weltweit, u.a. durch eine durch mehr Aufklärung zu erreichende bewusstere Ernährung sowie eine Umstellung der Essgewohnheiten, insbesondere in den Industrienationen.

Eine Reduzierung des Fleischkonsums und ein sehr viel bewussterer Maßstab bei dem Anteil des Fleisches an der Ernährung und der absoluten Menge. Hierdurch sind weitere Vorteile erreichbar, insbesondere beim damit unmittelbar zusammenhängenden Landverbrauch und dem exorbitant hohen Energie- und Wasserverbrauch allein bei der Erzeugung von Fleisch.

Sinnvolle und nachhaltige Erhöhung der Produktivität gerade der Kleinbetriebe in der Landwirtschaft, dies jedoch immer unter Einhaltung aller notwendiger ökologischer Aspekte.

Ein neuer Umgang mit Lebensmitteln, damit wir nicht weiterhin jährlich unvorstellbare Mengen an Lebensmittel wegwerfen: Nach einem Bericht der Welthungerhilfe sind dies unvorstellbare Mengen, die zudem immer mehr anwachsen:

https://www.welthungerhilfe.de/aktuelles/blog/lebensmittelverschwendung/

Es ärgert mich in kaum vorstellbarer Weise, wenn ich lese, dass:

„1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel landen Jahr für Jahr auf dem Müll und gleichzeitig hungern weltweit 815 Millionen Menschen. Ein Drittel von dem, was weltweit produziert wird geht verloren, weil es bei der Herstellung oder beim Transport beschädigt wurde oder in Lagern, Läden und Haushalten verdirbt.

Pro Kopf und Jahr landen in Deutschland ca. 55 Kilogramm Essen im Müll

In Deutschland werfen wir pro Kopf und Jahr Lebensmittel im Wert von rund 235 Euro weg. Der tatsächliche Preis unseres Konsums ist aber viel höher. Woher die Rohstoffe für unsere Lebensmittel kommen? Wir nutzen die Ressourcen anderer – ihr Land, ihre Arbeitskraft, ihr Wasser.“ 

https://www.welthungerhilfe.de/aktuelles/blog/lebensmittelverschwendung/

Und um es hier noch mal klarer zu sagen:

Die Vermeidung allein dieser unvorstellbar großen Mengen hätte für uns Menschen nicht die kleinste Einschränkung zur Folge!

Was könnten wir alles erreichen, wenn wir alle unsere Ernährung nur ein wenig umstellen und zudem das Wegwerfen von Lebensmitteln vermeiden könnten? Welche Folgen würden damit allein für die Umwelt, die Tier- und Landwirtschaft und damit wieder für die Umwelt verbunden sein? Und wie viele echte „Einschränkungen“ müssten wir wirklich erleiden?

Es ist doch eigentlich viel einfacher, als man denkt oder sind wir alle schon so arrogant und egoistisch, dass wir nicht einmal mehr dazu bereit sind, sogar auf überflüssiges und schädliches zu verzichten?

Weitere Infos findet man:

World Resources Institute (WIR)

https://www.wri.org/

Weltbiodiversitätsrat

https://ipbes.net/

https://www.bmu.de/themen/natur-biologische-vielfalt-arten/naturschutz-biologische-vielfalt/biologische-vielfalt-international/weltbiodiversitaetsrat-ipbes/

Ein wichtiger Akteur bei der Lösung der beiden Probleme ist wieder die Bio-Branche.

Was für mich als Mensch noch viel wichtiger ist, das ist der Umstand, dass es schon seit Jahren keine Alternative mehr dazu gibt, es sofort und ernsthaft zu versuchen. Was sollen wir denn sonst tun? Kapitulieren? Das ist nicht nur denklogisch sinnlos.

Und ich glaube fest daran, dass wir mit jeder Handlung, so klein sie zunächst auch dem Einzelnen erscheinen mag und mit jedem Tag, an dem wir einfach so viel tun, wie wir können, dem Ziel mit vielen kleinen Schritten kontinuierlich näherkommen.

Ich werde nicht aufgeben und bin wirklich der Ansicht, dass wir es gemeinsam schaffen können und müssen, denn seien wir ehrlich:

Und überhaupt: Haben wir denn überhaupt eine Alternative?

Ein (aber nur ein!) wichtiges Werkzeug stellen die Mittel und Möglichkeiten der digitalen Transformation den Bio-Betrieben zur Verfügung. Der Einsatz kann zu einer schnellen Verbesserung in der Landwirtschaft führen, insbesondere in den Bereichen Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz.

Wenn die Bio-Höfe z.B. die gesamten digitalen Kommunikationsmedien sinnvoll einsetzen, um damit die Verbraucher über diese ganzen Fakten und Hintergründe wahrheitsgemäß zu informieren, um so deren Bewusstsein und deren gesamten Kauf- und Konsumverhalten zu ändern, können wir sehr schnell gigantische Erfolge erzielen.

So wichtig ist strategisches Vorgehen bei der Digitalen Transformation

So wichtig ist strategisches Vorgehen bei der Digitalen Transformation

Die Digitalisierung der Bio-Betriebe setzt neben den eigenen unmittelbaren landwirtschaftlichen, insbesondere technische, wirtschaftliche und rechtliche Kenntnisse und auf allen diesen Faktoren basierenden Zielsetzungen und Planungen voraus. Zudem muss der Einsatz in Rahmen einer betriebsinternen gesamtstrategischen Ordnung erfolgen. Ohne diese drohen erhebliche Nachteile oder sogar ein totales, kosten und zeitintensives Misslingen.

Eine solche Strategie ist auf vielen Wegen möglich und ein „Mustervorgehen“ ist aufgrund der doch sehr unterschiedlichen Betriebe und den damit verbundenen extrem unterschiedlichen Anforderungen leider nicht vorstellbar.

Ich möchte daher hier nur ein paar ggf. zu bedenkende Punkte anführen.

  • Anerkennen der neuen Herausforderungen und die unbedingte Bereitschaft sich mit den digitalen Medien, Technologien und Techniken zu beschäftigen – ohne jedoch, s.o., dabei die eigene Kritikfähigkeit zu verlieren.
  • Anerkennen, dass die aktuelle Situation der Landwirtschaft und in Bezug auf den Klimawandel und das Artensterben nicht auf einem Defizit technischer und/oder digitaler Strukturen beruht, so dass deren Einsatz auch nicht zwingend und unmittelbar die notwendigen starken Änderungen erzeugen wird.
  • Bereitschaft zu einem kontinuierlichen Controlling und Evaluation aller Maßnahmen und erreichten Ziele und daraus resultierend, wenn erforderlich, die DUrchführung ständiger Anpassungen.
  • Bereitschaft und die Fähigkeit die Schwachstellen im eigenen Betrieb auch offen zu benennen. Wer sich hier selbst anlügt zahlt nicht nur drauf, sondern gefährdet die gesamte Digitalisierung.
  • Bereitschaft sich mit zum Teil schwierigen rechtlichen Grundlagen wie z.B. der Europäischen Datenschutzgrundverordnung und dem Bundesdatenschutzgesetz zu beschäftigen.
  • Ehrlich zu sich und den Mitarbeiter/innen sein und den Aufwand für jeden einzelnen nicht unterschätzen, insbesondere in Bezug auf die eigene Digitalkompetenz und die aller Mitarbeiter/innen.
  • Ehrliche Ist-Analyse aller bereits bestehender digitaler Technologien und Techniken.
  • Individuelle Zielsetzung, allein in Bezug auf den eigenen Betrieb unter Berücksichtigung der internen/externen Prozesse, Modelle, Marktsituation, Märkten, eigenen Produktionsabläufen und -zielen, eigenen Produktqualitäten/-erzeugung (Landwirtschaft und Tierwirtschaft), bestehenden Arbeitsmodellen und -attraktivität usw.
  • Prüfung der Zielsetzungen und der bestehenden Strategien unter Berücksichtigung der Chancen/Nutzen/Kosten/Abwägung für den eigenen Betrieb.
  • Ist-Analyse der Bereiche, in denen eine Digitalisierung erfolgen muss.
  • Ist-Analyse der Bereiche, in denen eine Digitalisierung erfolgen soll.
  • Ist-Analyse der Bereiche, in denen eine Digitalisierung erfolgen kann.
  • Festlegung der Dinglichkeit und Wichtigkeit in Stufen.
  • Prüfung der Kenntnisstände aller Mitarbeiter/innen in Bezug auf deren digitale Kompetenz, inkl. einer ggf. neu aufzubauenden Medienkompetenz und Technikaffinität (und Abbau von Vorbehalten und Ängsten).
  • Bereitschaft der Mitarbeiter/innen, sich in den gerade benannten Bereichen fortzubilden und zwar kontinuierlich. 
  • Bereitschaft der Inhaber/innen der Bio-Betriebe ggf. bestehende Geschäftsmodelle und nahezu alle Abläufe offen zu hinterfragen und auf deren Digitalisierungspotenzial zu prüfen.
  • Klärung der Kundenbedürfnisse des eigenen Betriebs, insbesondere für die Situation, die nach einer Digitalisierung entstehen wird/soll und dabei offen sein für mögliche weitere Änderungen/Verbesserungen durch die Digitalisierung.
  • Prüfung und Bewertung der unmittelbaren und mittelbaren Wettbewerber und Berücksichtigung der sich ändernden Grundstrukturen und Anforderungen im eigenen (Ziel-) Markt.
  • Prüfung und Bewertung der gesamten (!) internen und externen Kommunikationsstrukturen und -formen, insbesondere unter Berücksichtigung der sich beim Kunden/Verbraucher geänderten Anforderungen und Wünschen.
  • Ehrliche und offene Bewertung aller ggf. durch die Digitalisierung entstehenden neuen tatsächloichen, finanziellen und rechtlichen Abhängigkeiten zu den zahlreichen erforderlichen (Dritt-) Anbietern und Dienstleistern (inklusive eines “Plan B“)

Und natürlich:

Die Finanzierbarkeit unter Berücksichtigung insbesondere des unmittelbaren finanziellen (Erst-) Bedarfs und der mittelbar zu erwartenden weiteren Kosten (!) und der, s.o., ggf. neu entstehenden Abhängigkeiten zu Dienstleistern und/oder Anbietern.

Abschließend ein letzter Hinweis an dieser Stelle:

Die Digitalisierung kann nicht die längst notwendige bäuerliche und ökologische Agrarwende ersetzen, sie ist kein Instrument der Nachhaltigkeit und sie selbst schützt weder die Umwelt, noch stoppt sie den Klimawandel und das Artenstreben.

Die Digitalisierung kann immer nur als ein (!) Werkzeug zur Unterstützung eingesetzt werden. Sie bietet auch die Möglichkeit eines Missbrauchs (siehe auch „Kritik an der Digitalisierung“) und benötigt selbst erhebliche Ressourcen und besonders Energie.